Tschechen bei der Offensive gegen IS im Irak

Ein Team tschechischer Flugzeugtechniker unterstützt den Vormarsch der irakischen Kräfte gegen den IS.

Militärstützpunkt Balad, L-159 (Foto: ČTK)Militärstützpunkt Balad, L-159 (Foto: ČTK) Das irakische Militär verkündet in den letzten Tagen Erfolge im Kampf gegen die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS). Unterstützt wird es dabei von einem Experten-Team aus Tschechien. Schon etwa 200 Mal waren die tschechischen Kampfflugzeuge vom Typ L-159 bei der Bombardierung der Dschihadisten-Zentren im Einsatz. Ihr Ziel seien unter anderem Fabriken, in denen der IS Sprengstoff herstelle, teilte einer der irakischen Piloten dem Tschechischen Rundfunk mit. Er fliegt seit einem Jahr mit einer L-159-Maschine und weiß die Unterstützung der tschechischen Berater zu schätzen.

Auf dem Militärstützpunkt Balad, 80 Kilometer nördlich von Bagdad, sind etwa 30 Techniker und Piloten der Tschechischen Armee tätig. Der Cheftechniker des Teams beschrieb die Aufgabe des Teams in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Wir sind so etwas wie ein guter Geist. Wenn etwas schief läuft beziehungsweise wenn während der Vorbereitung ein technisches Problem festgestellt wird, beraten wir, wie der Defekt beseitigt werden soll.“

Die tschechischen Soldaten verlassen den Militärstützpunkt Balad nicht. Sie leben dort in Wohncontainern nahe der Hangars und eines Luftschutzbunkers. Der Cheftechniker:

Josef Bečvář (Foto: Filip Jandourek)Josef Bečvář (Foto: Filip Jandourek) „Ich war zuerst etwas verdutzt, doch dann habe ich mich unterwartet wohl gefühlt. Wichtig ist, dass jeder seinen eigenen Container hat und dort allein wohnt. Wenn ich keine Lust habe, jemanden zu sehen, zu hören oder zu sprechen, habe ich die Möglichkeit, mich abzuschotten. Ich kann dann allein sein, mir einen Film anschauen, Musik hören oder einfach nur lesen. Man hat einen Zufluchtsort, und das ist ein großer Vorteil.“

Das Mandat des tschechischen Beraterteams läuft bis Ende kommenden Jahres. Laut Generalstabchef Josef Bečvář werden aber noch mehr tschechische Soldaten in den Irak fliegen:

„Wir bauen eine Einheit für die Militärpolizei und eine Ausbilder-Einheit auf. Der erste Teil soll im Oktober kommen. Außerdem verhandeln wir darüber, Anfang nächsten Jahres noch Ausbilder für die Chemiewaffenabwehr in den Irak schicken.“

Bohuslav Sobotka und Haider al-Abadi (Foto: ČTK)Bohuslav Sobotka und Haider al-Abadi (Foto: ČTK) Am vergangenen Wochenende hat Premier Bohuslav Sobotka die tschechischen Soldaten in Balad besucht. Zuvor hatte er bei Gesprächen mit seinem irakischen Amtskollegen Haider al-Abadi erörtert, wie tschechische Firmen nun beim Wiederaufbau des zerstörten Landes helfen könnten. Demnach besteht die Möglichkeit, sich unter anderem an der Instandsetzung der dortigen Raffinerien zu beteiligen. Er vermisse aber noch den Vertragsrahmen dafür, so Sobotka:

„Es fehlen ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung sowie ein Investitionsschutzabkommen. Die irakische Seite muss uns in dieser Sache entgegenkommen. Mein Besuch könnte ein Beitrag zur Wiederaufnahme der Gespräche über diese beiden Abkommen gewesen sein.“

Zudem versprach der Regierungschef, Tschechien werde die Rückführung der Flüchtlinge in den Irak unterstützen. Seiner Aussage nach möchte die Tschechische Republik in diesem Jahr dort humanitäre Projekte im Wert von über 60 Millionen Kronen (2,3 Millionen Euro) fördern.