Tagesecho "Trotzdem habe ich überlebt" - Buch erzählt die Lebensgeschichte von Artur Radvansky

01-12-2006 15:26 | Thomas Kirschner

Fast sechs Jahre, von 1939 von 1945, hat Artur Radvansky in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten zugebracht. Sein Verbrechen: Nach der Besetzung der Tschechoslowakei hat der damals 17-jährige Jude Verfolgten bei der Flucht nach Polen geholfen. Zu seinem 85. Geburtstag ist seine Lebensgeschichte als Buch erschienen - aufgeschrieben von deutschen Freunden.

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"Ich war in Buchenwald, Ravensbrück, Sachsenhausen, Auschwitz, Mauthausen und Ebensee - das war mein Weg durch die Lager. Das schlimmste war der Anfang im Sonderlager Buchenwald. Mein Vater ist dort gestorben, ich selbst habe ihm die Augen zugedrückt."

Artur Radvansky hatte alle Grauen der nationalsozialistischen Konzentrationslager selbst durchlitten - fast sechs Jahre lang. Jahrzehntelang hat er danach versucht zu vergessen. Als seine Tochter aber eines Tages als "Judenkind" beschimpft wurde, hat Artur Radvansky verstanden, dass es vor der Vergangenheit kein Entkommen geben kann. Seitdem erzählt er seine Geschichte, immer wieder, an Schulen, vor jungen Leuten.

"Bei der Selektion in Auschwitz hat mich der Lagerarzt Entress gefragt: ´Was bis Du von Beruf?´ Mich hat schon in Buchenwald, Ravensbrück, Sachenhausen der Gedanken beschäftigt, dass die Kameraden, die im Häftlings-Krankenbau gearbeitet haben, bessere Bedingungen gehabt haben: Sie haben in der Wärme gearbeitet, sind nicht in Kontakt mit SS-Leuten gekommen, hatte leichtere Arbeit und mussten vor allem nicht zum Appell antreten. Also habe ich gedacht: Um Gottes Willen, was wäre, wenn Du in so ein Kommando kommen könntest. Lagerarzt Entress hat mich also gefragt: ´Was bist Du von Beruf?´ Ich habe rausgeschossen: ´Student der Medizin! Karlsuniversität Prag, zwei Semester!´ Und der Arzt hat mich herausgeholt und ich wurde sein Hilfssanitäter. Und das war meine Rettung."

Artur Radvansky im Gespräch mit Senftenberger Schülern im Jahr 2001Artur Radvansky im Gespräch mit Senftenberger Schülern im Jahr 2001 Friedemann Bringt hat Artur Radvansky vor gut 15 Jahren kennen gelernt, damals als junger Freiwilliger bei der Aktion Sühnezeichen. Der Kontakt ist bestehen geblieben und zu einer Freundschaft geworden. Zusammen mit Freunden hat er Artur Radvansky immer wieder gedrängt, seine Geschichte festzuhalten:

"Er hat immer gesagt: Ach, schreiben, das liegt mir nicht, aber ich kann reden, ich kann Kassetten besprechen. Und so haben wir gesagt: Gut, sprich uns Deine Lebensgeschichte auf Band und wir schreiben sie ab."

Genau zum 85. Geburtstag, den Artur Radvansky in der vergangenen Woche begehen konnte, liegt seine Geschichte nun als schmales Buch vor. "Trotzdem habe ich überlebt", heißt der Band. Der Hass darf die Welt nicht regieren, das ist der Tenor von Artur Radvansky. Am Donnerstag hat er sein Buch selbst in Dresden präsentiert - zusammen mit Vertretern der Aktion Sühnezeichen und Friedemann Bringt:

"Ich glaube für ihn ist es auch ein gewisser Abschluss - das jetzt als Buch zu haben, das ist nochmals ein anderes Format, eine andere Form der Dokumentation und etwas, das bleibt."

"Trotzdem habe ich überlebt" von Artur Radvansky ist im Dresdener Verlag ddp goldenbogen erschienen und kostet 9,90 Euro.

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