Trotz zäher Organisation: Bohemia Jazz Fest ist wieder topbesetzt

Das Bohemia Jazz Fest – seit 2005 gehört es untrennbar zum Kultursommer in Tschechien, und es hat sich mittlerweile zum größten Ereignis seiner Art in ganz Europa gemausert. Die zwölfte Auflage der großen Jazztournee wurde am Montag in Prag gestartet.

Otto-Hejnic-Trio (Foto: YouTube Kanal von Jazz Club Teplice)Otto-Hejnic-Trio (Foto: YouTube Kanal von Jazz Club Teplice) Das tschechisch-slowakische Otto-Hejnic-Trio hat das populäre Bohemia Jazz Fest am Montag vor Hunderten Zuschauern eröffnet. Es gilt inzwischen schon als großes Privileg, bei diesem Festival auftreten zu können. Auch diesmal fiel Festivalgründer und -leiter Rudy Linka die Auswahl nicht leicht. Der 57-Jährige aber ist hochzufrieden mit dem Programm, das er bis zum 18. Juli präsentieren darf:

„Wir haben eigentlich jedes Jahr ein atemberaubendes Programm. In diesem Jahr kommen beispielsweise aus Amerika Bad Plus, John Scofield, Soul Rebels sowie aus Brooklyn die Nat Osborn Band zu uns. Ausgezeichnete Bands kommen außerdem aus Dänemark und Deutschland. Des Weiteren begrüßen wir den hervorragenden Drummer Roberto Gatto aus Italien und Bassist Miroslav Vitouš, der von uns den Bohemia Jazzfest Award erhält. Ganz ehrlich aber muss ich sagen: Jedes Jahr ist es für mich ein kleines Wunder, dass die Veranstaltung stattfinden kann.“

Rudy Linka (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks)Rudy Linka (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks) Der Grund für seine Verwunderung ist die Finanzierung des Jazzfestes. Linka hat die Konzerttournee von Anfang an so konzipiert, dass sie für die Zuschauer kostenlos ist. Deshalb ist er stets auf der Suche nach solventen Sponsoren und verlässlichen Partnern. Dabei stößt er immer wieder auf eine tschechische Besonderheit:

„Tschechien ist ein Land, in dem alles erst im letzten Augenblick erledigt wird. Eine Brücke beispielsweise wird erst dann repariert, wenn sie kurz vor dem Einsturz ist. Man wird manchmal wirklich wahnsinnig, wenn man hier etwas machen will. Meiner Meinung ist das hierzulande in allen Bereichen der Fall. Doch für die Tschechen ist das ganz normal, sie merken es gar nicht. Möglicherweise ist das wirklich eine tschechische Spezialität und woanders nicht machbar, dass man im letzten Moment alle Kräfte bündelt und dann feststellt: Wow, und das ist es.“

Miroslav Vitouš (Foto: Edwin Goed Fotografie, CC BY 3.0)Miroslav Vitouš (Foto: Edwin Goed Fotografie, CC BY 3.0) Dank der Sponsoren und Partner des Festivals, zu denen erstmals auch der Tschechische Rundfunk gehört, konnten die Besucher am Montagabend auch den Auftritt des Trios Pavel Hrubý Between The Lines genießen. Und erst recht den Auftritt des tschechischen Jazz-Kontrabassisten und Bassgitarristen Miroslav Vitouš, einem Mitgründer der Jazzfusion-Band Weather Report. Über Vitouš wusste Linka zu berichten, dass er „der einzige Tscheche sei, der mit Miles Davis im Studio produziert hat“ und „der die tschechische Musik ebenso in die Welt getragen habe wie Antonín Dvořák oder Leoš Janáček“. Auch aus diesen Gründen wurde Miroslav Vitouš am Auftaktabend als erster Tscheche mit den Award des Jazzfestes geehrt.

Vor drei Jahren wurde diese Ehre einem anderen Großen der Jazzszene zuteil. Es ist kein anderer als die Gitarren-Legende John Scofield, der in diesem Jahr erneut beim Jazzfest auftritt – und zwar mit der Uberjam-Band am Dienstagabend in Prag und am Mittwochabend in Plzeň / Pilsen. Von Scofield hält auch Rudy Linka große Stücke:

„Wenn man mich fragt, wer einer der größten Jazzmusiker der Gegenwart ist, muss ich John Scofield nennen. Er spielt wirklich auf eine verblüffende Art und Weise, und das jeden Tag und schon jahrelang. Er ist schon 65, doch er spielt immer noch sehr innovativ und mit solch einer Begeisterung, das ist einmalig.“

Auf einmalig schöne Konzertabende darf man sich auch in Liberec / Reichenberg, Domažlice / Taus, Tábor und in Brno / Brünn freuen, wo das Jazzfest bis zum nächsten Dienstag Station macht. Und den Brünnern wird dabei ein echtes Highlight geboten, und zwar zwei Konzerte mit den Soul Rebels aus New Orleans.