Tagesecho Trokavec - Gemeinde wehrt sich gegen geplantes US-Radar

19-03-2007 16:23 | Thomas Kirschner

Der geplante Bau einer Radaranlage in Tschechien im Rahmen des US-amerikanischen Raketenabwehrsystems entzweit die Tschechen. Am Wochenende waren die Bewohner der kleinen Dorfes Trokavec aufgerufen, ihre Meinung zu dem Radar in einem Gemeindereferendum kundzutun. Trokavec liegt nur zwei Kilometer von der geplanten Radarstation entfernt.

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Trokavec (Foto: CTK)Trokavec (Foto: CTK) Die ländliche Idylle täuscht. Die Menschen in dem 100-Seelen-Dorf Trokavec, 25 Kilometer westlich von Plzen / Pilsen sind wütend. Quasi vor ihrer Haustür soll die umstrittene US-amerikanische Radaranlage entstehen. Die Gemeinde hat demonstrativ ein Referendum angesetzt. 88 Wahlberechtigte gibt es in dem Dorf. 71 haben am Samstag abgestimmt, davon 70 gegen die Radaranlage. Der parteilose Bürgermeister Jan Neoral:

"Das ist ein gültiges Gemeindereferendum. Mit Blick auf das gesamte Land ist es allerdings nur die Stimme einer einzigen Gemeinde. Aber es ist ein symbolischer Aufschrei gegen das, was die Regierung hier macht, und ein Impuls für die anderen Gemeinden, die sich uns schon angeschlossen haben."

Jan Neoral (Foto: CTK)Jan Neoral (Foto: CTK) Die Bürger in Trokavec haben Angst. Angst vor einem neuen Wettrüsten in Europa, Angst davor, selbst zur Zielscheibe zu werden - die russische Armee hat bereits gedroht, ihre Raketen gegen die Radarstation zu richten - aber vor allem Angst um ihre Gesundheit. So wie Milena Houskova:

"Ich bin ganz entschieden gegen das Radar! Uns betrifft das am meisten - wir wohnen ganz am Ende des Dorfes. Wir haben da eine Zuchtstation für Labrador-Hunde, und wir haben Angst, dass das Radar schlecht sein wird für uns, für die Hunde, für die Natur, und deshalb sind wir ganz entschieden dagegen."

Bürgermeister Jan Neoral ist selbst gelernter Radartechniker. Die Befürchtungen, so meint er, sind nicht aus der Luft gegriffen:

Trokavec (Foto: CTK)Trokavec (Foto: CTK) "Von Radaranlagen geht Strahlung aus, und diese hier soll eine enorme Leistung haben. Das Prinzip der Technik ist, dass das Gerät Strahlung abgibt, aber nicht nur in die Richtung, in die es zielt, aber auch nach hinten und zur Seite. Und diese Strahlung wird stören. Tabellen des Pentagon, die ich aus dem Internet herunter geladen habe, geben an, dass in vier Kilometer Umkreis das Fernsehen nicht funktioniert, in sieben Kilometer Umkreis sind die Mobiltelefone gestört. Trokavec ist zwei Kilometer vom Radar entfernt! Wir sollen hier also im 21. Jahrhundert ohne Fernsehen und Handy leben."

Während in Prag eine Initiative "Pro rakety" Bündnistreue mit den USA fordert, lehnen Umfragen zufolge derzeit 60 Prozent der Tschechen den Bau des Radars ab. In Trokavec ist die Meinung klar:

"Sollen sie es doch da bauen, wo sie Geld dafür kriegen - beim Präsidentenpalast auf der Prager Burg, da sollen sie es hinstellen!"

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