Tagesecho Tragische Urlaubsbilanz: Immer mehr Tschechen kommen im Ausland um
Urlaub sollte eigentlich Erholung bringen. Doch manchmal endet er ganz anders, nämlich tragisch. Die tschechische Nachrichtenagentur ČTK gab am Mittwoch die Meldung raus, dass die Zahl der Todesfälle von tschechischen Urlaubern in diesem Jahr gestiegen ist. Dem Außenministerium sind bereits 56 solche Fälle bekannt, wohingegen es im vergangenen Jahr noch nicht einmal bis Mitte August so viel waren. Dazu ein Gespräch mit dem Sprecher des Verbandes tschechischer Reiseveranstalter, Tomio Okamura.
Tomio Okamura
Herr Okamura, die Zahl tschechischer Bürger, die beim Urlaub im Ausland
ums Leben gekommen sind, ist dieses Jahr gestiegen. Sie sagen, darüber
müsse man sich nicht wundern und haben eine plausible Erklärung dafür…
„Ja, denn auch die Zahl der Tschechen, die ihren Urlaub im Ausland verbringen, steigt jedes Jahr weiter an. Im Jahr 2006 sind Tschechen auf 3,9 Millionen Auslands-Urlaubsreisen gefahren, im vergangenen Jahr waren es bereits 4,5 Millionen. Das ist ein Anstieg von 16 Prozent. Und im selben Maß steigt auch die Zahl der verletzten oder getöteten tschechischen Bürger im Ausland.“
Welches sind denn die häufigsten Todesursachen bei tschechischen Urlaubern?
„Am häufigsten werden die eigenen Kräfte überschätzt. Beispiel Kroatien. Dort fahren ja die meisten tschechischen Urlauber hin und daher wird auch die größte Zahl Todesfälle gemeldet. Dort kann sich rächen, dass Tschechen das Schwimmen im Meer nicht gewöhnt sind. Die Einheimischen in Kroatien erzählen sich sogar einen Witz darüber. Sie sagen, wenn man mit dem Boot auf das Meer fährt, kann man sofort erkennen, welcher Schwimmer Tscheche ist und welcher Kroate. Der Kroate schwimmt vorsichtig entlang der Küste und der Tscheche direkt in Richtung offenes Meer hinaus.“
Lässt sich also allgemein sagen, dass Tschechen dazu neigen, im Urlaub
viel zu riskieren?
„Tschechen gelten allgemein als Volk, das sich nicht fürchtet.
Tschechische Touristen stornieren am seltensten ihr Reisen im Falle
verschiedener Ereignisse wie zum Beispiel den Terroranschlägen in Ägypten
im vergangenen Jahr oder in diesem Jahr dem Bürgerkrieg in Kenia oder dem
Erdbeben und den Waldbränden in Griechenland. Das hat auch mit der
Vergangenheit vor 1989 zu tun, als sich immer der Staat um seine Bürger
kümmerte beziehungsweise wir die Sachen immer irgendwie auch selbst
hinbekommen haben. Dieses Verständnis der Dinge hat sich erhalten und
tschechische Touristen wägen nicht ausreichend die eigene Verantwortung im
Risikofall ab. Aber je reicher wir werden, desto mehr werden wir uns auch
Sorgen um uns selbst machen. Das ist bei den Amerikanern und Japanern zu
sehen. Sie stornieren in der Regel sofort ihre Reisen, sobald in der Welt
etwas vorfällt. Aber die Zahl der Todesfälle im Urlaub wird sicher auch
in Zukunft weiter steigen. Das hat mit einem weiteren Umstand zu tun.
Derzeit liegt der Anteil der Rentner an den Auslandsurlaubern aus
Tschechien nur bei zehn Prozent. In den 15 ursprünglichen EU-Staaten liegt
der Anteil bei 18 Prozent. Mit steigenden Altersbezügen werden sicher auch
mehr tschechische Rentner zu Urlaubern. Und damit wird leider aber auch die
Zahl der Todesfälle und gesundheitlicher Komplikationen steigen.“





