Träume von Prag: Sammelband deutsch-tschechischer Autoren

„Ich träume von Prag“ ist der Titel einer Anthologie, die vergangenen Donnerstag im Prager Literaturhaus vorgestellt wurde. Das Buch vereint Texte von Schriftstellern mit tschechischem Hintergrund, die im deutschsprachigen Raum leben und auf Deutsch schreiben.

Katja Fusek (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums München)Katja Fusek (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums München) Von den Autoren war Katja Fusek ins Literaturhaus gekommen. Sie las aus dem Text, den sie speziell für den Sammelband verfasst hat.

„Guy starrt die Porzellanstücke lange an, dann sagt er: ‚Ich habe von Prag geträumt gestern Nacht. Es war ein Albtraum.’ Dagmar hat den Kopf gesenkt, blickt auf ihre verknoteten Hände im Schoß. Guys Satz steht im Raum. Dagmar hat ihn unbeantwortet gelassen. Der Mann ist verstummt.“

Neben Fusek sind noch 18 weitere Autoren in dem Werk vertreten, die alle durch eine gemeinsame Herkunft miteinander verbunden sind: Sie wurden in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren, leben und schreiben aber heute in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Herausgegeben wurde das 2012 erschienene Buch von Andrea Fischerová und Marek Nekula. Beide sind an der Universität Regensburg für tschechische Sprache und Literatur zuständig. Bei der Idee für das Projekt habe man sich vor allem an der nationalen Eingrenzung von Literatur gestoßen, so Nekula:

Andrea Fischerová und Marek Nekula (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums München)Andrea Fischerová und Marek Nekula (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums München) „Die Begrenzung auf die Sprache und auf die Nation sieht man auch in der Literaturgeschichte immer wieder. Das war bei unseren Überlegungen auch das Motiv. Wir wollten diese Begrenzung überschreiten und eine Art Öffnung des Horizonts erschaffen.“

Auch deshalb entschied man sich für den Untertitel „deutsch-tschechische literarische Grenzgänge“. Die Autorin Katja Fusek beispielsweise wurde in Prag geboren. Als sie zehn Jahre alt war emigrierte ihre Mutter mit ihr und ihrer Schwester aus der ehemaligen Tschechoslowakei in die Schweiz. Für sie ist die deutsche Sprache beim Schreiben eine Art Werkzeug.

Ota Filip (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums München)Ota Filip (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums München) „Die ersten Geschichten, die ich mir erzählt habe, waren natürlich auf Tschechisch. Später mit 20 oder 21 Jahren, als ich Germanistik studierte, bin ich dann zum Deutsch gekommen. Das ist einfach die Sprache, die ich besser beherrsche, mit der ich mich besser ausdrücken kann und die mir mehr Möglichkeiten bietet zum Erschaffen von Texten. Das Deutsche ist für mich auch weniger emotional besetzt. Es schafft also eine innere Distanz und ist wie ein Material, das ich zum Schreiben habe.“

Milena Oda (Foto: YouTube)Milena Oda (Foto: YouTube) Alle Autoren stammen aus verschiedenen Generationen. Neben Ota Filip, der 1930 in Ostrava / Ostrau geboren wurde, ist so zum Beispiel auch Milena Oda dabei. Sie kam 1975 in Jičín / Jitschin zur Welt und lebt heute in Berlin. Texte beigesteuert haben aber auch Jan Faktor, Helena Reich und Jiří Gruša. Fast alle Geschichten wurden extra für die Anthologie geschrieben. Nur zwei sind schon früher veröffentlicht worden. Nun wurde „Ich träume von Prag“ auch endlich in der namensgebenden Stadt vorgestellt.

Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums MünchenFoto: Archiv des Tschechischen Zentrums München „Wir hatten schon zwei Lesungen in München und Linz. Wir haben uns aber vor allem darauf gefreut, dass auch eine Präsentation in Prag stattfindet, weil es in dem Buch um Prag geht. Deshalb sind wir sehr froh darüber“, sagt Herausgeberin Andrea Fischerová.

Die tschechische Hauptstadt bildet den Dreh- und Angelpunkt des Buches: Die Autoren erzählen über Prag, erinnern sich daran oder lassen ihre Geschichten dort spielen.