Tagesecho Theresienstädter Dieb ertappt - Polizei fahndet nach weiteren Komplizen
Vor einer Woche haben wir bereits berichtet: Ein unbekannter Täter hat vom Nationalfriedhof der KZ-Gedenkstätte Theresienstadt rund 800 bronzene Gedenktafeln gestohlen. Ein Fall, der die tschechische Öffentlichkeit schockiert hat. Die Bronze-Tafeln sind zerstört, aber der Dieb ist abgefasst.
Miroslav Daňo (Foto: ČTK)
Miroslav Daňo, 29 Jahre alt, wohnhaft im nordböhmischen Most / Brüx. Er
sei zweimal zur KZ-Gedenkstätte in Theresienstadt gegangen und habe dort
mehrere Kilos des wertvollen Metalls entwendet.
Der Stadtpolizei in Most ist er gut bekannt.
„Er gehört zu der hiesigen Drogenszene, wo es von Leuten wimmelt, die Straftaten in der Stadt und in der Umgebung begehen“, so ein Stadtpolizist aus Most.
Beschädigte Grabstätten in Terezin (Foto: ČTK)
Bis zu acht Jahre Freiheitsentzug drohen nun Miroslav Daňo. Und er wird
nicht der Einzige sein, der vors Gericht gestellt wird. Die Polizei geht
davon aus, dass Daňo allein einen Diebstahl von solch einem Ausmaß nicht
durchführen konnte. Sie vermutet eine größere Tätergruppe hinter Daňo.
Dass es sich um mehrere Diebe handeln muss, bestätigt auch der Altmetallhändler Tomáš Zutis in der Gemeinde Nehasice, die über 50 Kilometer von Theresienstadt liegt. An ihn wollten die Täter einen Teil ihrer Beute verkaufen. Die Polizei fahndet nun nach Daňos Komplizen.
Beschädigte Grabstätten in Terezin (Foto: ČTK)
Aber wie ist die Polizei überhaupt auf die heiße Spur zu Miroslav Daňo
gekommen? Die Konkurrenz hat gesungen, eine andere Gruppe von Metalldieben
also. Und zwar aus purem Neid, wie es schenit. Denn sie hatten sich
angeblich auch für die bronzenen Tafeln aus Theresienstadt interessiert.
Metalldiebe sind in Tschechien eine wahre Katastrophe für alle
Gedenkstätten und Gräber. So ist zum Beispiel die metallene Büste des
deutschsprachigen Prager Autors Egon Erwin Kisch in der letzten Zeit
bereits dreimal geklaut worden - direkt von seiner Grabstätte. Kisch
würde sich über ein so großes Interesse für seinen Kopf sicher freuen,
für die tschechische Gesellschaft ist es aber ein schlechtes Zeugnis. In
der Theresienstädter Gedenkstätte werden neue Tafeln installiert, diesmal
nicht aus Bronze, sondern aus Harz. Kopfschütteln und Scham bleiben.







