Telefonieren wie zu Hause – das Ende der Roaming-Gebühren

Roaming-Gebühren bedeuten, dass man die Dienste seines Handy-Anbieters im Ausland nutzt und dabei dazuzahlt. Genau diese Praxis hat aber die Europäische Kommission verboten. Spätestens ab Donnerstag werden auch die tschechischen Anbieter diese Gebühren nicht mehr verlangen.

Foto: Dean Moriarty, Pixabay / CC0 Public DomainFoto: Dean Moriarty, Pixabay / CC0 Public Domain Die Szene kennt wohl jeder. Man ist im Urlaub, dann ruft ein Bekannter von zu Hause an. Wenn man überhaupt drangeht, sagt man lieber schnell, man sei im Ausland. Denn sonst konnte es bisher ziemlich teuer werden mit dem Telefonat. Und das, obwohl die EU die sogenannten Roaming-Gebühren in den vergangenen Jahren schon ordentlich gedrückt hat. Die allgemeine Vorsicht ist ab Donnerstag dieser Woche nicht mehr nötig. Denn spätestens ab dann dürfen die Anbieter keine Roaming-Gebühren mehr verlangen. Wo das gilt, das erläutert Ondřej Malý, bei der tschechischen Regierung zuständig für die Koordination digitaler Dienste:

„Das Ende der Gebühren gilt nur für die Europäische Union plus Liechtenstein, Island und Norwegen. Die Roaming-Gebühren außerhalb der EU bleiben hingegen vergleichsweise hoch.“

Ondřej Malý (Foto: Jana Trpišovská, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Ondřej Malý (Foto: Jana Trpišovská, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Malý weist darauf hin, dass auch für die Handynutzung beispielsweise in der Schweiz weiter Gebühren erhoben werden.

Wie kommen aber die Kunden tschechischer Anbieter nun in den Genuss der „neuen Freiheiten“? Ganz einfach sagt, Miloš Borovička, Jurist der Verbraucherzeitschrift dTest:

„Theoretisch müssen sie nichts machen. Dennoch empfehle ich jenen, die in ein EU-Land fahren, ihre Roaming-Einstellungen zu überprüfen. Wenn jemand nämlich für bestimmte außereuropäische Länder einen gesonderten Roaming-Tarif hat einstellen lassen, dann könnten auch bei der Nutzung der Dienste in EU-Ländern Gebühren anfallen. Ansonsten aber sollten die neuen Bedingungen automatisch anspringen, wenn man beispielsweise die Grenze zu Deutschland oder in die Slowakei überschreitet.“

Foto: Scared Poet, CC BY-SA 2.5Foto: Scared Poet, CC BY-SA 2.5 Die Preise für eigene Anrufe, Kurznachrichten oder Datenpakete entsprechen dann auch im Ausland denen im Inland. Für eingehende Anrufe und SMS zahlt man gar nichts mehr. Dabei spielt keine Rolle, ob man ein Privat- oder ein Diensthandy nutzt.

In Tschechien haben übrigens Vodafone und T-Mobile bereits am Sonntag die Mehrkosten abgeschafft, nur O2 zieht erst am Donnerstag nach. Dabei hatten die drei tschechischen Anbieter eigentlich um eine Ausnahme bitten wollen. Sie beklagen, dass die Preise jetzt nicht mehr die Kosten für die Nutzung fremder Netze im Ausland decken würden.

Besonders die Nutzung von Datenpaketen im Ausland dürfte für die Verbraucher attraktiv sein.

„Wenn ein Kunde zum Beispiel ein Tarif mit 1,5 Gigabyte Daten hat, dann kann er einen Teil in Tschechien und den anderen im Ausland nutzen. Oder er verbraucht alles im Ausland“, so Lucie Pecháčková, Sprecherin von O2 in Tschechien.

Miloš Borovička (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Miloš Borovička (Foto: Prokop Havel, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Allerdings sollte man seine verfügbare Datenmenge kennen, fügt Miloš Borovička hinzu:

„Die Daten sind begrenzt durch das Paket, das man gekauft, oder durch den Vertrag, den man abgeschlossen hat. Das darf dann höchstens um noch einmal dieselbe Menge überschritten werden. Jenseits davon können Roaming-Gebühren anfallen.“

Besonders Gewiefte könnten auch die Preisunterschiede ausnutzen – und beispielsweise in Polen ein billiges Datenpaket kaufen, dies aber durchgehend in Tschechien nutzen. Deswegen wurde den Anbietern die Möglichkeit eingeräumt, beim Verdacht auf Missbrauch einzuschreiten.