Tausende Tschechen protestierten gegen Ondráček

Am Montagabend sind in ganz Tschechien Menschen auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen Kommunisten Ondráček sowie Premier Babiš.

Tausende Tschechen protestierten gegen Zdeněk Ondráček (Foto: Martina Schneibergová)Tausende Tschechen protestierten gegen Zdeněk Ondráček (Foto: Martina Schneibergová) Am vergangenen Freitag wurde Zdeněk Ondráček zum Vorsitzenden der parlamentarischen Kommission für die Kontrolle über Sicherheitskräfte gewählt. Dies sorgte für Entrüstung unter großen Teilen der Öffentlichkeit. Der Kommunist beteiligte sich im Januar 1989 als Bereitschaftspolizist an der brutalen Niederschlagung friedlicher Demonstrationen. Am Montagabend protestierten Tausende von Menschen in den tschechischen Städten gegen diese Wahl. Die größte Demonstration fand auf dem Prager Wenzelsplatz statt.

„Wir wollen keinen Kommunisten!“ und „Schande!“ riefen die Menschen, die sich auf dem Wenzelsplatz versammelt hatten. Organisiert wurde die Kundgebung über soziale Medien. Ursprünglich sollte sie in der Prager Nationalstraße stattfinden. An dem Ort also, wo am 17. November 1989 eine friedliche Studentendemonstration von der Polizei brutal niedergeschlagen wurde. Als sich immer mehr Menschen gemeldet haben, die protestieren wollten, entschieden sich die Initiatoren für einen Umzug auf Wenzelsplatz. Tatsächlich war der untere Teil des größten Prager Platzes schnell voll. Viele Menschen hielten Transparente in der Hand, auf denen sie nicht nur vor Ondráček warnten, sondern auch vor dem geschäftsführenden Premier Andrej Babiš.

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Bureš in den Abfallkorb” – wurde gerufen. Die Protestierenden nannten den Premier bei seinem Decknamen, unter dem er als Agent des kommunistischen Geheimdienstes in den Akten geführt wird. Sie forderten ihn dazu auf, aus der Politik zu verschwinden. Die Demonstranten konnten auch eine Petition gegen Ondráčeks Wahl unterzeichnen. Vor den Tischen mit der Petition bildeten sich lange Schlangen. In der Menschenmenge stand auch die bürgerdemokratische Abgeordnete Miroslava Němcová.

„Ich bin angenehm überrascht, dass hier so viele Menschen zusammengekommen sind. Sie haben begriffen, dass die Lage ernst ist und dass es nicht reicht, sich zu Hause vor dem Bildschirm zu ärgern. Die Bürger sind gekommen, um ihrem Ärger und ihrer Unzufriedenheit Luft zu machen. Das finde ich gut.“

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová Es sei keine baldige Lösung der Situation zu erwarten, bemerkte die Politikerin:

„Es sieht nicht so aus, dass das Konglomerat, das aus Präsident Miloš Zeman, Andrej Babiš, den Kommunisten und der Ano-Partei besteht, so schnell aufgibt. Aber je stärker die Menschen ihren Wunsch zum Ausdruck bringen werden, dass es ihnen um die Freiheit geht, dass sie in einem normalen demokratischen Land leben wollen, wo keine Stasi-Leute und Polizisten an der Macht sind, die die Leute früher zusammenprügelten, desto früher wird sich die Lage ändern.“

Auf den Transparenten wurde auch an die Opfer des Kommunismus erinnert und daran, dass die heutigen Gesellschaft deren Vermächtnis respektieren und weitergeben sollte. Die Menschen skandierten zudem: „Tschechien ist nicht Russland!“ oder „Nein der Ano-Partei!“ Unter den Demonstranten waren Menschen verschiedenen Alters. Magda unterrichtet an der Prager Kunstakademie, über die Gründe für ihre Teilnahme am Protest sagte sie:

Foto: Martina SchneibergováFoto: Martina Schneibergová „Präsident Zeman spricht davon, dass die Bürger aktiv sein sollten. Sogar der Vizevorsitzende der Kommunisten erklärte am Sonntag in einer Fernsehdebatte, alle Bürger hätten das Recht, ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. Auch ich möchte meine Meinung hier demonstrieren.“

Es wird geschätzt, dass über 20.000 Menschen auf dem Wenzelsplatz zusammentrafen. Protestiert wurde zudem in elf weiteren Städten Tschechiens. Die Petition gegen Ondráčeks Wahl haben am Montagabend rund 14.000 Menschen unterschrieben.