Tagesecho
Zu Beginn dieser Woche hagelte es erneut Protest gegen den Atommeiler im südböhmischen Temelin. Diesmal war es der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel persönlich, der eine Protestnote direkt an den tschechischen Premier Milos Zeman adressiert, in der er drohte, die Verhandlungen zu Tschechiens EU-Beitritt im Bereich der Energiewirtschaft zu blockieren. Doch Premier Zeman und auch sein Außenminister Jan Kavan schien dies kein Anlass zu sein, in Panik zu verfallen. Weiteres von unserem freien Mitarbeiter Armin Sandmann:
Zwischen dem 10. und 15. September wird es nun endlich soweit sein. Der
erste Reaktor des AKW Temelin soll zum Probelauf angefahren werden. Doch,
Tschechischer Außenminister Jan Kavan
als wäre es zu ahnen gewesen, macht sich sofort Protest aus dem benachbarten
Wien laut. Jetzt scheint es sich sogar der österreichische Bundeskanzler
Schüssel zur Chefsache gemacht zu haben, indem er den tschechischen Nachbarn
mit der Blockade beim EU-Beitritt drohte. Abgeordnete der österreichischen
Volkspartei, ÖVP, und des Koalitionspartners, FPÖ, gingen noch einen Schritt
weiter und wollen zu Beginn nächster Woche zum Thema Temelin eine
Sondersitzung des Europaparlamentes einberufen. Speziell die Abgeordnete im
Europaparlament für die ÖVP, Marilies Flemming, hält die Inbetriebnahme des
südböhmischen AKWs für "abscheulich". Der tschechische Außenminister Jan
Kavan hingegen versuchte zu Beginn dieser Woche auf einer Presskonferenz in
Prag die Bedenken seiner österreichischen Nachbarn mit den folgenden Worten
zu zerstreuen:
"Von Beginn an ist von unserer Seite größtes Interesse, dass das Atomkraftwerk Temelin den höchsten Sicherheitsstandards entspricht, die in den Mitgliedsländern der Europäischen Union üblich sind."
AKW Temelin
Der tschechische Premier Milos Zeman ging dieser Angelegenheit noch
gelassener entgegen. Dieser lies an die Adresse Wiens verlauten, dass man
mit Österreich auf gar keinen Fall Dinge verhandeln werde, die das AKW
Temelin mit dem EU-Beitritt Tschechiens in Zusammenhang bringen. Die Lösung
dieses Problems werde sich in den kommenden 14 Tagen zeigen. Diese Aussage
bestätigte auch noch einmal abschließend Außenminister Kavan:
"Das tschechische Amt für Atomsicherheit, SUJB, wird mit seiner Arbeit fortfahren und die Genehmigung zum Probelauf und zur entgültigen Innbetriebnahme erteilen. Diese Genehmigung, davon bin ich überzeugt, wird natürlich nur dann erteilt werden, wenn Temelin allen ökologischen und weiteren strengen internationalen Sicherheitsvorschriften entspricht."





