Tagesecho Synagoge in Hartmanice im Böhmerwald wurde wieder geöffnet
Im Böhmerwald haben ähnlich wie in anderen tschechisch-deutschen Grenzregionen Deutsche, Tschechen und Juden Jahrhunderte lang miteinander gelebt. Die meisten Baudenkmäler, die an die Zeit dieser Koexistenz erinnerten, wurden jedoch entweder während der Nazi-Zeit oder aber später unter dem kommunistischen Regime vernichtet. Die Synagoge in dem Städtchen Hartmanice / Hartmanitz im Böhmerwald hat, wenngleich in einem desolaten Zustand, die beiden totalitären Regimes überlebt. Dank einer Bürgerinitiative wurde das Gebäude gründlich renoviert und am Dienstag feierlich wieder geöffnet. Martina Schneibergova war dabei.
Synagoge in Hartmanice
Kinder aus der Schule in Hartmanice begleiteten musikalisch die feierliche
Wiedereröffnung der renovierten Bergsynagoge. Ihre Teilnahme an den
Feierlichkeiten war nicht nur symbolisch. Während der Renovierung des
Baudenkmals haben die hiesigen Schüler im Rahmen des vom Prager Jüdischen
Museum initiierten Projektes "Verschwundene Nachbarn" nach dem
Schicksal der
ehemaligen jüdischen Bewohner dieser Region gesucht. Neben den Bewohnern
von Hartmanice nahmen auch einige Regierungsmitglieder, Parlamentarier und
Vertreter der
jüdischen Gemeinden an dem Festakt teil. Der Vizevorsitzende der oberen
tschechischen Parlamentskammer, Petr Pithart, bezeichnete diese
offensichtlich am höchsten gelegene Synagoge in Mitteleuropa als 'altneu':
Petr Pithart
"Altneu ist sie jedoch in einem anderen Sinn als die berühmte
Prager
Altneu-Synagoge. Einst war die Synagoge in Hartmanice eines der
geistlichen Zentren dieser Region. Nun wird sie zu einem Raum, der für
Begegnungen von verschiedenen Gemeinschaften offen sein wird. Er ist dank
einer anfangs nur kleinen Gruppe junger Menschen entstanden, die mit ihrer
Arbeit, ihren Ideen sowie mit finanziellen Mitteln zur Entstehung dieses
altneuen Raums beigetragen haben."
Die Synagoge wird offensichtlich nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck dienen, sondern - wie bereits erwähnt - eher als ein Begegnungsraum genutzt werden. In dem renovierten Gebäude wurde eine Ausstellung über das Zusammenleben von Deutschen, Tschechen und Juden in der Region untergebracht. Geplant ist außerdem eine Ausstellung über den Eisernen Vorhang, sagt der Initiator der Renovierung der Synagoge, Michal Klima, der die Bürgerinitiative "Pamatnik Hartmanice" leitet.
Michal Klima
"Es ist natürlich ein fantastisches Gefühl, dass es gelungen
ist. Ich
habe von Anfang an fest daran geglaubt. Es ging uns darum, auch alle
Details bei der Rekonstruktion zu beachten. Die ganze Renovierung dauerte
knapp drei Jahre."
Unter den Teilnehmern der Wiedereröffnung war auch eine Frau aus Pilsen, die unweit von Hartmanice ein Wochenendhaus hat:
"Was hier passiert ist, ist ein Wunder. Wir haben die Verwandlung der Bauruine zwei Jahre lang beobachtet. Ich finde es herrlich, wenn die einzelnen Kommunitäten wieder den Weg zueinander finden werden, wie es hier einst war."
Foto: Martina Schneibergova







