Tagesecho Süßer Start ins Arbeitsleben: Die soziale Konditorei „Cukrárna“
Apfeltorten, Honigkuchen, aber auch Mascarpone mit Mango: Die Konditorei bietet eine Auswahl von klassischen tschechischen Desserts sowie einige Delikatessen italienischer oder französischer Art. Von den anderen Konditoreien unterscheidet sich die Neueröffnung im Prager Stadtzentrum dadurch, dass sie Menschen mit geistiger Behinderung beschäftigt. Vorige Woche wurde die Konditorei „Cukrárna“ feierlich eröffnet.
Konditorei „Cukrárna“
Die Bewohner des Prager Stadtteils Vinohrady / Weinberge, die gern naschen
und sich einen Kaffee ohne Kuchen nicht vorstellen können, kommen dort auf
ihre Kosten: In der neuen Konditorei an der Ecke Balbínova und
Mánesova-Straße. Sie heißt ganz simpel „Cukrárna“ – was im
Tschechischen Konditorei bedeutet. Bei der feierlichen Eröffnung hatten
alle Beschäftigten viel zu tun. Martina hat gerade das Geschirr zum
Spülen in die Küche getragen. Spülen ist aber nicht ihre
Haupttätigkeit, wie sie verriet.
„Am liebsten arbeite ich bei der Tortenherstellung. Ich kann Torten mit Verzierungen, Obst-, Schokolade- oder Kaffeetorten machen. Es gefällt mir hier. Leider kann ich meine Produkte nicht selbst probieren, weil ich zuckerkrank bin. Seitdem ich hier arbeite, versuche ich auch zu Hause Torten zu backen.“
Konditorei „Cukrárna“
Erzählt Martina, die gerade erst für ihre Torten gelobt worden ist. Sie
gehört zu insgesamt sieben Menschen mit leichter geistiger Behinderung,
die in der Konditorei arbeiten. Die Konditorei funktioniere wie eine
Sozialfirma, erzählt Betriebsleiterin Petra Bohmová. Die Firma passe sich
den Bedürfnissen der benachteiligten Menschen an und wolle ihre
Fähigkeiten fördern.
„Menschen mit Behinderung landen meistens als Putz- oder Hilfskräfte in der Küche. Wir bieten ihnen aber eine Vielfalt von Tätigkeiten an. Gerade die Produktion in einer Konditorei ist für diejenigen gut geeignet, die manuell geschickt sind. Sie sind motiviert, weil sie sehen, dass unter ihren Händen etwas entsteht. Und das Resultat ist gleich zu sehen. Sie stellen Torten und Kuchen her, bedienen die Kunden, aber übernehmen auch die wenig beliebten Arbeiten – wie das Abräumen und Geschirrspülen.“
Konditorei „Cukrárna“
Eines der Hauptziele des Projekts ist es, den Menschen mit Benachteiligung
eine nachweisbare Arbeitspraxis zu bieten. Auch wenn diese Menschen eine
Ausbildung machen, habe die Mehrheit der Arbeitgeber Angst sie zu
beschäftigen, meint Petra Bohmová:
„Wir können den Arbeitgebern nach anderthalben Jahr Menschen vermitteln, die wissen, wie man Schichten plant oder wie man den Urlaub beantragen kann. Dies sind die Dinge, die einem Außenstehenden wenig bedeutend vorkommen können, aber für unsere Klienten, die oft Probleme mit der Kommunikation haben, sind sie sehr wichtig. Für den Arbeitgeber ist ein solcher Bewerber viel interessanter. Er kann zudem einen Lebenslauf mit Praxisbestätigung vorlegen.“
Konditorei „Cukrárna“
Bis 2012 sollen insgesamt 18 Menschen in der Konditorei ausgebildet
werden. Das Projekt wurde mit Fördergeldern aus den EU-Sozialfonds
gestartet. Die Bürgervereinigung „Máme otevřeno“ (Wir haben
geöffnet), die das Projekt ins Leben rief, rechnet damit, dass die
Konditorei später mit Gewinn wird.
Fotos: Autorin









