Tagesecho Studie: Drogenkonsum bei Jugendlichen erstmals rückgängig
Tschechische Jugendliche halten mehr Abstand zu Drogen. Das zeigt eine neue Studie des Nationalen Drogen-Monitoring-Zentrums. Erstmals seit Beginn der Beobachtungen konnte dabei ein deutlicher Rückgang der Drogenerfahrungen verzeichnet werden. Dennoch liegt Tschechien im gesamteuropäischen Vergleich immer noch auf einem Spitzenrang.
Noch vor fünf Jahren haben mehr als 30 Prozent der 15-Jährigen in
Tschechien eingeräumt, schon einmal Marihuana ausprobiert zu haben; im
vergangenen Jahr lag dieser Wert um sechs Prozent niedriger. Ganz neue Töne
im tschechischen Drogenbericht, das bestätigt auch der Leiter des
Nationalen Drogen-Monitoring-Zentrums, Viktor Mravcik:
"Bei der erwachsenen Bevölkerung haben wir Anzeichen für einen Rückgang bereits seit dem Jahr 2004, aber das ist nun die erste Studie, die uns einen abnehmenden Trend auch bei Kindern und Jugendlichen zeigt."
Viktor Mravcik
Der Rückgang erfolgt allerdings von einem hohen Niveau. Vor allem bei
weichen Drogen sind die Tschechen tolerant und experimentierfreudig - rund
11,5 Tonnen Haschisch werden hierzulande jährlich verbraucht und verraucht,
schätzt das Monitoring-Zentrum. Im europäischen Vergleich liegt Tschechien
damit ganz vorne.
Im Wesentlichen gleich bleibend ist dagegen der Konsum von harten Drogen. Schätzungen gehen etwa von 30.000 Drogenabhängigen aller Altersstufen aus. Rund zwei Drittel hängen dabei an Pervitin, auch als Crystal bekannt - eine Besonderheit der tschechischen Drogenszene. Unter den Party-Drogen ist besonders Ecstacy verbreitet. Hier ist unter Jugendlichen eine Zunahme der so genannten Wochenend-Konsumenten zu verzeichnen; außerdem haben Jugendliche hier auch einen Anteil am Vertrieb, so Bretislav Brejcha von der tschechischen Antidrogen-Zentrale:
Foto: CTK
"Ecstasy wird in Tschechien nicht hergestellt; es geht also immer um
eine Einfuhr über die Grenze. Und unsere Erfahrungen zeigen, dass auf den
niedrigeren Ebenen der Distribution auch Jugendliche beteiligt sind, denn
es braucht immer einen, der die Tabletten mitbringt und jemandem verkauft
oder zusteckt."
Die schwärzesten Zahlen zum Schluss: Im vergangenen Jahr sind in
Tschechien 37 Personen an direktem Drogeneinfluss gestorben; 2005 wurden
noch 59 Drogentote gezählt. Eine deutliche Zunahme ist demgegenüber aber
bei tödlichen Unfällen unter Drogeneinfluss zu verzeichnen.







