Tagesecho Strengere Strafen für minderjährige Schwerverbrecher?

13-09-2004 | Martina Schneibergová

Nach zwei brutalen Morden, die von Kindern verübt worden, wurde in Tschechien wieder die Diskussion entfesselt, die die Senkung der Altersgrenze der strafrechtlichen Verantwortung von Kindern betrifft. Martina Schneibergova berichtet:

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Im August dieses Jahres wurde im ostböhmischen Olesnice eine Rentnerin brutal erstochen, die Täter waren einige Minderjährige. Vor kurzem stellte sich heraus, dass der seit Monaten gesuchte Mörder eines dreizehnjährigen Mädchens aus Kmetineves in Mittelböhmen ihr minderjähriger Mitschüler war. Justizminister Pavel Nemec ließ am Sonntag verlauten, er denke daran, die Grenze der strafrechtlichen Verantwortung von Kindern bei schweren Straftaten zu senken, und zwar von den bisherigen 15 eventuell auf sogar 12 Jahre. Der Minister möchte die Maßnahme zuerst noch mit Kinderpsychologen besprechen.

Das Vorhaben des Justizministers wird jedoch von Schulministerin Petra Buzková abgelehnt. Der Vorschlag, die Grenze der strafrechtlichen Verantwortung um ein Jahr - von 15 auf 14 Jahre - zu senken, wurde einst vom Abgeordnetenhaus nicht angenommen. Der Vorsitzende der Böhmisch-Mährischen Gesellschaft für Psychologie, Jaroslav Sturma, selbst Kinderpsychologe von Beruf meint:

"Ich meine, dass diese Maßnahme im Rahmen eines Komplexes von Maßnahmen getroffen werden muss. Man darf nicht nur die niedrigere Altersgrenze durchzusetzen versuchen, sondern man muss auch etwas machen, man muss mit diesen Kindern arbeiten. Die Senkung der Altersgrenze für die strafrechtliche Verantwortung bedeutet nur, dass die Strafen höher sein werden. Man weiß aber gut, dass eine Bestrafung nicht reicht, man muss auch erzieherisch arbeiten. Meine Vorstellung wäre, dass Einrichtungen für diese Kinder im Rahmen mehrerer Ressorts organisiert werden. Es müsste dort Therapie, Psychotherapie geben, und natürlich müsste andererseits die Gesellschaft auch geschützt werden, d. h., dass diese Einrichtungen überwacht werden müssten, um zu verhindern, dass die Kinder die Anstalten - wie es heute üblich ist - leicht verlassen können."

"Stimmt es, dass die Kinder früher reifer werden, und dass damit auch diese Straftätigkeit der Kinder zusammenhängt?"

"Dies ist nicht eindeutig. Die Kinder sind heute reifer, aber nur in einigen Aspekten - was z. B. den Mut, die Selbständigkeit anbelangt. Die wirkliche Reife bedeutet aber auch die Selbstkontrolle und die eigene Verantwortung. In diesem Bereich sind meiner Meinung wenigstens bestimmte Gruppen von Kindern und Jugendlichen heutzutage eher verspätet, was die Entwicklung betrifft."

Der Kinderpsychologe betont vor allem die Prävention:

"Prävention ist die Hauptsache. Es ist immer so, wenn so etwas Tragisches passiert, werden plötzlich irgendwelche Maßnahmen getroffen. Viel schwieriger und anstrengender ist aber die Prävention, und die besteht in der Unterstützung der Familie, des Familienmilieus, in einer entsprechenden Familienpolitik."

Die Diskussion über den Umgang mit minderjährigen Verbrechern wird in Tschechien weiter geführt.

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