Tagesecho Streit eskaliert – Grüne versagen der Regierung die weitere Unterstützung
Am Donnerstag war Umweltminister Jan Dusík zurückgetreten. Seit Montag ist sein Nachfolger bekannt. Es ist Landwirtschaftsminister Jakub Šebesta, der nun zusätzlich auch das Umweltministerium leitet. Mit der Ernennung Šebestas verärgerte Premier Fischer vor allem die Grünen. Am Dienstag eskalierte der Streit.
Jakub Šebesta
„Eine Regierung mit einem Premier an der Spitze, der sein Wort
nicht
hält, ist eine schlechte Regierung“, ereiferte sich der
Grünen-Vorsitzende Ondřej Liška. Er behauptet, Premier Fischer habe ihm
noch am Freitag versichert, er werde vor einer Neubesetzung des
Umweltressorts die Beratungen der Grünen am Montag abwarten. Denn sie
dürfen den Umweltminister vorschlagen. So lautet zumindest die
parteiübergreifende Vereinbarung. Die Grünen erhalten in der Frage
Rückendeckung von ihrem früheren Koalitionspartner, den
Bürgerdemokraten. Deren stellvertretender Vorsitzender Petr Nečas:
„Da gibt es nichts zu Feilschen. Die Vereinbarungen über die Entstehung der Übergangsregierung müssen eingehalten werden.“
Prunéřov (Foto: Petr Štefek, Wikimedia)
Denn durch Šebestas Funktion als Doppelminister haben die
Sozialdemokraten, die ihn als Landwirtschaftsminister nominiert hatten,
nun
ein Übergewicht im Kabinett. Aber ganz abgesehen von Mehrheitsfragen
bestehen auch Zweifel an der Eignung Šebestas für sein neues Amt. Der
Bock sei zum Gärtner gemacht worden, sagen die Grünen. Denn in
mindestens
sieben Punkten vertrete das Landwirtschaftsministerium Positionen, die dem
Umweltschutz zuwider liefen. Das Tischtuch zwischen der Partei und Premier
Fischer ist zerschnitten. Die Grünen wollen nun auch ihren zweiten
Minister, Minderheitenminister Michael Kocáb, aus dem Übergangskabinett
abziehen.
Während in der Regierung der Streit eskaliert, schwelt weiterhin der Konflikt um das Kohlekraftwerk Prunéřov. Die vom Kraftwerksbetreiber ČEZ geplante Modernisierung der Anlage war der Grund für den Rücktritt von Umweltminister Jan Dusík. Er hält die ČEZ-Pläne für mangelhaft und wollte von dem Energieriesen einen neuen Modernisierungsvorschlag fordern. Premier Fischer drängte jedoch zur Eile, Dusík trat deshalb ab. Nun muss sein Nachfolger Šebesta eine Regierungsposition zu Průnéřov formulieren. Und der tritt zunächst auf die Bremse:
Greenpeace-Aktivisten (Foto: ČTK)
„Ich muss mich mit allen Details und Fachgutachten vertraut machen.
Dann
kann ich mir eine Meinung bilden und eine Entscheidung treffen. Es ist zu
früh um vorherzusagen, ob das eine Frage von Tagen oder Wochen
ist.“
Nicht nur die Grünen befürchten aber, dass Šebesta dem Umweltschutz einen Bärendienst erweisen könnte und dem ČEZ-Vorschlag zustimmt. Greenpeace-Aktivisten besetzten deshalb am Montag den 300 Meter hohen Schornstein des Kraftwerks Průnéřov, das die Umweltschützer eine „Schande für Tschechien“ nennen:
„Wenn der neue Minister ‚Ja!’ sagt, bedeutet es, dass die Regierung Fischer eine Marionette in den Händen von ČEZ und der Energielobby ist“, so Greenpeace-Aktivist Jan Piňos im Tschechischen Fernsehen.







