Stopp für Schweinepest: Staat fordert zum Abschuss von Wildschweinen auf

Der tschechische Staat hat in ganz Tschechien den Abschuss von Wildschweinen freigegeben. Damit wollen die Behörden verhindern, dass sich die afrikanische Schweinepest weiter ausbreitet. Martina Schneibergová fasst zusammen.

Jagd auf Wildschweine (Foto: ČTK)Jagd auf Wildschweine (Foto: ČTK) In den vergangenen Wochen waren viele tote Wildschweine am Stadtrand von Zlín in Ostmähren gefunden worden. Bei 30 von ihnen wurde die afrikanische Schweinepest nachgewiesen. Es ist das erste Mal, dass die Tierseuche auch Tschechien erreicht hat. Um die Weiterverbreitung zu stoppen, haben die Behörden landesweit zu einer intensiven Jagd auf Wildschweine aufgerufen. Nur im Bezirk Zlín dürfen die Wildschweine auch weiterhin weder gejagt oder gefüttert werden. In den Gebieten, die unmittelbar an das Seuchengebiet angrenzen, dürfen Jäger wiederum sogar bisher verbotene technische Hilfsmittel benutzen – dazu gehören Nachtsichtgeräte sowie Scheinwerfer. Jiří Čunek (Christdemokraten) ist Hauptmann des Kreises Zlín, wo die Tierseuche nachgewiesen wurde.

„Die Jäger werden mit den nun erlaubten Hilfsmitteln mehr Tiere jagen können. Es wird behauptet, dass Wildschweine nicht an Orte zurückkehren, an denen auf sie beispielsweise zwei Tage lang geschossen wurde. Die neu eingesetzte Technik soll den Jägern mehr Erfolg bringen.“

Jiří Čunek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jiří Čunek (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die Jäger müssen laut der staatlichen Veterinärverwaltung vorläufig nicht speziell geschult werden. Bei der Jagd sollen sie sich nach den üblichen Hygienenormen richten. Warum im Bezirk Zlín aber keine Wildschweine gejagt werden dürfen, dazu der Kreishauptmann:

„Wenn ein angestecktes Wildschwein angeschossen wird und blutet, können sich gesunde Tiere anstecken, wenn sie das Blut ihres Artgenossen lecken.“

Auch wenn zum Abschuss der der Wildschweine aufgerufen worden ist, rechnen die Behörden vorläufig mit keinen Einschränkungen für den Gang in den Wald. Dazu Landwirtschaftsminister Marian Jurečka (Christdemokraten):

Marian Jurečka und Zbyněk Semerád (Foto: ČTK)Marian Jurečka und Zbyněk Semerád (Foto: ČTK) „Natürlich kann eine Behörde auf Gemeindeebene vorübergehend das Betreten eines Jagdreviers verbieten, falls es notwendig ist. Wir rechnen jedoch nicht mit solchen Verboten irgendwo in Tschechien. Die Jäger müssen jedoch die Sicherheitsregeln beachten.“

Die staatliche Veterinärverwaltung reichte am Donnerstag eine Strafanzeige gegen Unbekannt ein wegen der Verbreitung der afrikanischen Schweinepest in Tschechien. Wie die Tierseuche hierher verschleppt wurde, ist bisher jedoch unklar. Zbyněk Semerád leitet die staatliche Veterinärverwaltung.

„Manche Spekulationen gehen sogar dahin, dass jemand ein angestecktes totes Wildschwein nach Tschechien gebracht haben könnte oder dass die Viruserkrankung von tschechischen Jägern aus dem Ausland eingeschleppt worden sei. Die Tierseuche könnte aber auch von Abfällen aus den Werkstätten von Tierpräparatoren stammen.“

Restaurant Hájenka in Kersko (Foto: Martina Schneibergová)Restaurant Hájenka in Kersko (Foto: Martina Schneibergová) Anfang kommender Woche wollen die Veterinärmediziner neue Maßnahmen auch mit den Vertretern der Gemeinden besprechen. Jägervereinigungen begrüßten die Anordnung zum Abschuss der Wildschweine.

Die Viruserkrankung ist auf Menschen nicht übertragbar. Auch ist das Interesse an Wildschweinfleisch in den Restaurants bisher nicht zurückgegangen. Dies bestätigten auch die Besitzer des Restaurants Hájenka in Kersko bei Nymburk. Die Kneipe ist durch den Film „Das Wildschwein ist los“ berühmt geworden, die Kinokomödie ist nach einer Erzählung von Bohumil Hrabal entstanden.