Starkes Bier und eine bewegte Geschichte: das U Medvídků

Es gibt wohl keine Bierstube in Prag, deren Überleben so oft am seidenen Faden hing. Mittlerweile ist das U Medvídků aus der gastronomischen Landschaft der tschechischen Hauptstadt aber nicht mehr wegzudenken.

Brauerei U Medvídků (Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0)Brauerei U Medvídků (Foto: ŠJů, CC BY-SA 3.0) Brauerei, Hotel, Restaurant – die Familie Vendulák hätte sich vor gut 600 Jahren wahrscheinlich nicht träumen lassen, was einmal aus ihrer Brauerei werden sollte. Anfang des 15. Jahrhunderts begann die Bierdynastie im späteren Haus zum Schwarzen Bären mit ihrem Handwerk. Den Namen haben Gebäude und Brauerei aber von einem späteren Braumeister. Vladimir Jančo betreibt das U Medvídků heute:

„Tatsächlich kommt der Name von einem anderen Eigentümer, und der hieß Jan Medvídek. Seitdem heißt das Gebäude, aber auch ein Teil der Umgebung U Medvídků.“

Medvídek heißt auf Deutsch so viel wie kleiner Bär. Dass der Betrieb aber noch heute läuft, ist eigentlich ein Wunder. Die erste Katastrophe für das U Medvídků kam bereits Ende des 19. Jahrhunderts:

Vladimír Jančo (Foto: Ondřej Tomšů)Vladimír Jančo (Foto: Ondřej Tomšů) „In den Ländern der böhmischen Krone, beziehungsweise in Österreich-Ungarn, wurde damals immer mehr industriell gebrautes Bier getrunken. Und kleine Brauereien mussten schließen, wie auch das U Medvídků. Immerhin konnte es schon damals zu einem Restaurant umgebaut werden.“

Danach kamen zwei Weltkriege und der Kommunismus. In den 1950er Jahren wurde das U Medvídků verstaatlicht, die Kommunisten wussten aber nicht so recht, was sie damit machen sollten. Deshalb verfiel das Gebäude. In den 1990er Jahren konnte das U Medvídků wiederauferstehen:

„Unsere Firma verwaltet den Betrieb seit 1994. Zunächst haben wir eine Pension eröffnet, die mittlerweile 45 Zimmer hat. Dann kam das große Restaurant mit rund 500 Plätzen dazu. Und nach zehn Jahren schließlich, also im Jahr 2004, haben wir im hinteren Teil des U Medvídků wieder eine Brauerei aufgemacht. Dort brauen wir jetzt unser weltberühmtes Bier.“

Und angeblich soll es die kleinste Brauerei in Prag sein, gebraut werden dort zwei Spezialbiere. Das eine ist ein dunkles süßliches Bier mit dem Namen Oldgott. Das andere ist aber etwas ganz Besonderes:

„Es handelt sich um das Bier mit dem weltweit höchsten Zuckergehalt. Dadurch erreicht es einen Alkoholgehalt wie Wein, der bei etwa 12,7 oder 12,8 Prozent liegt. Der Zuckergehalt beträgt wiederum ganze 33 Prozent. Es ist ein sehr schweres Dessertbier, und zudem ist die Herstellung anspruchsvoll, sodass wir immer nur eine begrenzte Menge ausschenken können. Die Damen genehmigen sich meist einen Deziliter, die Herren aber dann doch eine Halbe. Und das führt oft zu interessanten Szenen.“

Foto: Ondřej TomšůFoto: Ondřej Tomšů Damit aber niemand durstig bleibt, gibt es im U Medvídků ebenfalls Bier von der Staatsbrauerei Budvar in České Budějovice / Budweis.

Das U Medvídků hat sich über die Jahre den Ruf bewahrt, trotz all der Touristen weiterhin Treffpunkt für Einheimische zu sein. Nicht zuletzt liegt das an der guten Küche und den angenehmen Preisen. Eines ist aber auch nach der Wiedereröffnung geblieben: Im U Medvídků treffen sich nicht nur die einfachen Prager, sondern ebenso prominente Gesichter:

„Hier kamen immer schon bekannte Gäste her, vor allem Schriftsteller wie Karel Čapek oder Jaroslav Hašek. Heute ist das nicht anders. Außerdem finden auch immer wieder internationale Stars den Weg zu uns, zum Beispiel hat schon der Schauspieler Jean-Claude Van Damme hier ein Bier getrunken. Trotzdem ist das U Medvídků ein Ort, an dem sich Touristen und Prager zusammensetzen.“