Tagesecho Staatsbesuche der tschechischen Spitzenpolitiker
Der tschechische Präsident Vaclav Havel weilt zum ersten Mal offiziell in der Türkei. Milos Zeman wiederum erstmals als Premier offiziell in Großbritannien. Markéta Maurová berichtet über die beiden Visiten.
Milos Zeman
Der Regierungsvorsitzende Großbritanniens Tony Blair unterstützt völlig
einen raschen EU-Beitritt der Tschechischen Republik. Er erklärte dies am
Mittwoch nach seinem Gespräch mit dem tschechischen Premier Milos Zeman. Die
beiden Politiker kamen in der Londoner Downing Street zusammen, um sich
hauptsächlich über die tschechisch-britischen Beziehungen und die
EU-Osterweiterung auszutauschen. Blair betonte, er werde auf dem EU-Gipfel
in Biarritz in der kommenden Woche auf seine Kollegen drängen, einen genauen
Rahmen der Negotiationsgespräche festzulegen.
"Wir wollen, dass die Länder, die auf die Erweiterung vorbereitet sind, möglichst bald der EU beitreten."
Der tschechische Premier lobte seinen britischen Amtskollegen als Verfechter der EU-Erweiterungsidee:
"Ich möchte die europafreundliche Politik Großbritanniens rühmen, die sich vom Euroskeptizismus der Konservativen wesentlich unterscheidet."
Zeman widmete seinen London-Aufenthalt des weiteren Gesprächen mit Handelsminister Stephen Byers, sowie den britischen Kauf- und Finanzleuten, mit denen er Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, besonders in Bezug auf neue Investitionen in der Tschechischen Republik erörterte.
Vaclav Havel
Die EU-Integration stellte auch eines der Hauptthemen des überhaupt ersten
offiziellen Besuchs eines tschechischen Staatsoberhauptes in der Türkei dar.
Tschechien und die Türkei verbindet nämlich nicht nur das Bündnis in der
Nato, sondern auch das gemeinsame Streben nach dem EU-Beitritt. Präsident
Havel bewertete positiv Veränderungen, die die Türkei in diesem Jahrhundert
durchging, ohne ihre traditionelle Gestalt zu verlieren. "Die islamische
Welt verwuchs in Ihrem Land mit Werten der europäischen Zivilisation, ohne
dass eine dieser beiden Komponenten ihr Gesicht verloren hat," sagte Havel
in Ankara und hob die Bedeutung dieser Toleranz und des Zusammenlebens von
zwei Kulturen hervor. Während seines Gesprächs mit Präsident Ahmet Sezer
wurde Vaclav Havel seinem Ruf eines Verteidigers der Menschenrechte gerecht,
als er um die Entlassung des Dramatikers, Juristen und Journalisten Esber
Yagmurdereli bat, der wegen der Verteidigung der Rechte der Kurden im
Gefängnis gehalten wird. Der tschechische Präsident sprach sich des weiteren
für den türkischen Vorschlag zur Lösung des griechisch-türkischen Streites
um Zypern aus, der die Schaffung einer Konföderation voraussetzt. In Ankara
wurden auch mehrere bilaterale Verträge, u.a. ein Zollabkommen
unterzeichnet. Die dortige Universität verlieh Vaclav Havel den
Ehrendoktortitel für seinen Beitrag im Bereich der Menschenrechte.





