Spricht da Moskau? Kritik an tschechischer Botschaft in Syrien

Der Bürgerkrieg in Syrien ist schon längst Zankapfel zwischen Russland und den USA, beziehungsweise der Nato. Tschechien unterhält in Damaskus als letzter westlicher Staat eine Botschaft. Diese ist nun aber in die Kritik geraten: Ein Diplomat wirft ihr eine pro-russische Haltung vor.

Bürgerkrieg in Syrien (Foto: ČTK)Bürgerkrieg in Syrien (Foto: ČTK) Seit nunmehr sechs Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Seitdem haben fast alle westlichen Diplomaten das Land verlassen, nur die Vertretung der Tschechischen Republik ist noch in Damaskus geblieben. Botschafterin Eva Filipi und ihr Team übernehmen daher die Rolle eines letzten Vermittlers zwischen den Staaten des Westens sowie der Nato und der syrischen Regierung.

Nun könnten die regelmäßigen Berichte der Botschaft zum Problem für die Diplomatie Prags werden. Dem Tschechischen Fernsehen ist nämlich eine vertrauliche Depesche in die Hände gekommen. Ein unbekannter hochrangiger tschechischer Diplomat bei der Nato hat darin die Meldungen von Botschafterin Filipi kritisiert, Zitat:

Eva Filipi (Foto: ČT24)Eva Filipi (Foto: ČT24) „Die einzigartigen Berichte und geheimdienstlichen Analysen unserer Vertretung in Damaskus stimmen kaum mit jenen unserer Verbündeten überein. Nicht selten widersprechen sie diesen sogar.“

Die Mannschaft um Filipi vertritt laut dem Diplomaten eher die russische Sicht auf den Konflikt. Tschechien könne beim nächsten Nato-Gipfel ja die Linie des Kremls unterstützen und die aggressive amerikanische Außenpolitik thematisieren, so der Diplomat ironisch.

Laut dem Telegramm, das an alle tschechischen Botschafter sowie Außenminister Lubomír Zaorálek (Sozialdemokraten) adressiert war, könnte die tschechische Diplomatie gegenüber den Nato-Partnern in Erklärungsnot geraten. Vor allem nachdem sich die Lage durch den Giftgasangriff auf die Stadt Chan Schaichun dramatisch verschärft hatte. Die Nato schreibt das Verbrechen dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu, und die USA griffen mit Raketenbeschuss in den Konflikt ein.

Lubomír Zaorálek (Foto: ČTK)Lubomír Zaorálek (Foto: ČTK) Chefdiplomat Zaorálek selbst kann diese Kritik an der tschechischen Botschaft in Syrien nicht nachvollziehen:

„Das ist doch Unsinn. Ich kann bestätigen, dass mir unsere Geheimdienstmitarbeiter, als wir das letzte Mal die Lage in Syrien behandelt haben, zum größten Teil Informationen von unseren Verbündeten vorgelegt haben. Und ich garantiere, dass das Material unserer Bündnispartner eine wichtige Rolle für die Einschätzungen und Lageberichte unserer Experten spielt.“

In Tschechien schwelt bereits seit längerem ein Streit um die Botschaft in Damaskus. Kritiker geht es dabei um die Sicherheit, aber auch das Verhältnis zu Baschar al-Assad.