Tagesecho Sprengfalle gegen Einbrecher - wo endet das Recht auf Selbstschutz?

06-03-2006 15:17 | Thomas Kirschner

Tschechien ist das Land der Schrebergärtner und Wochenendhäusler. Genauso verbreitet sind allerdings auch Einbrüche in die Häuser, die vor allem im Winter oft monatelang verlassen daliegen. Das Bezirksgericht im ostböhmischen Pardubice / Pardubitz muss sich in dieser Woche mit einem Wochenendhausbesitzer befassen, der sein Eigentum mit einer Sprengfalle gesichert und einen Einbrecher dadurch schwer verletzt hatte. Thomas Kirschner hat den Fall verfolgt.

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Mit Einbrechern hat der 51-Jährige Wochenendhausbesitzer, der sich nun vor Gericht verantworten muss, reichlich Erfahrung - bereits mehrfach war in die Remise neben dem Haus eingebrochen worden, einmal war dabei sogar das gesamte Blechdach des Schuppens gestohlen worden. Der Mann installierte darauf eine Sprengfalle, die auch tatsächlich beim nächsten Einbruchsversuch losging - mit fatalen Folgen, erläutert Richterin Sarka Pfeiferova:

Der Dieb erlitt schwere Verletzungen, ein Bein musste unter dem Knie amputiert werden. Wie weit reicht das Recht auf Selbstschutz? Diese Frage muss dass Bezirksgericht in Pardubice / Pardubitz nun erneut beantworten. Zweimal war der Angeklagte bereits frei gesprochen worden, das Kreisgericht hat die Urteile jedoch aufgehoben und den Fall an das Bezirksgericht zurückverwiesen. Bei einem Schuldspruch drohen dem Angeklagten zwei bis fünf Jahre Haft wegen Körperverletzung. Die Prager Rechtsanwältin Dagmar Raupachova sieht aber keinen Grund, das Urteil zu ändern:

"Wenn jemand sich an einer anderen Person oder deren Eigentum vergreift, dann muss er damit rechnen, dass das mit einer Gefahr für ihn verbunden ist. Das ist einfach so - er hat da schlichtweg nichts zu suchen, also muss er durchaus auf gewisse Gefahren gefasst sein."

Ein ähnlicher Fall wird übrigens in Plzen / Pilsen verhandelt; dort wurde ein Einbrecher durch eine Selbstschussanlage verletzt. Die Polizeistatistik zeigt indessen deutlich nach unten - während vor fünf Jahren in Tschechien noch 12.000 Einbrüche in Wochenendhäuser verzeichnet wurden, waren es im vergangenen Jahr gerade einmal die Hälfte. Das ist aber keineswegs der Erfolg von hemdsärmeligen Selbstschutzmaßnahmen, meint Polizeisprecher Pavel Hantak:

"Die Besitzer der Wochenendhäuser sind inzwischen vorsichtiger geworden und lassen vor allem über den Winter, wenn die Wochenendhaus-Kolonien verlassen sind, keine Wertgegenstände mehr in den Häusern, die sich für Einbrecher leicht zu Geld machen lassen."

Bleibt noch anzufügen, was aus dem verletzten Einbrecher geworden ist - der wurde zwar verurteilt, auf eine weitere Strafe hat das Gericht aber mit Blick auf die Verletzung verzichtet.

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