Špotáková holt ihr zweites WM-Gold und die zehnte internationale Medaille

Wenn man auf das vergangene Vierteljahrhundert zurückblickt und in der Leichtathletik besonders in die Ergebnisspalten des Speerwerfens schaut, stellt man fest: Ein Tscheche oder eine Tschechin sind immer ganz vorn mit dabei. Die Rede ist von Jan Železný und Barbora Špotáková. Der heutige Trainer Železný erkämpfte am 8. August 1992 in Barceloná den ersten seiner drei Olympiasiege. Und 25 Jahre später, auf den Tag genau, hat die noch aktive Špotáková in London nun ihren zweiten WM-Titel geholt.

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)Barbora Špotáková (Foto: ČTK) Als der Stadionsprecher im Londoner Olympiastadion am Dienstagabend verkündete, dass sie die neue Weltmeisterin im Speerwerfen sei, konnte Barbora Špotáková ihre Freudentränen kaum unterdrücken. Seit über einem Jahrzehnt gehört die mittlerweile 36-Jährige zur absoluten Weltspitze. Und nach ziemlich exakt zehn Jahren macht sie ihren zweiten großen Triumph bei einer Weltmeisterschaft perfekt: Wie 2007 im japanischen Osaka war sie auch in London in der Speerwurf-Konkurrenz der Frauen nicht zu schlagen. Nach ihrem Sieg sagte die Athletin aus Jablonec nad Nisou / Gablonz:

„Ich habe heute den ganzen Tag daran gedacht, wie schön es wäre, nach zehn Jahren wieder Weltmeisterin zu werden. Und ich habe auch daran gedacht, dass ich hier in London vor nahezu exakt fünf Jahren – es war am 9. August 2012 – zum zweiten Male Olympiasiegerin geworden bin. Jetzt bin ich glücklich, dass mir das gelungen ist. Einen gehörigen Anteil daran hat mein ehemaliger und nun auch wieder aktueller Trainer Rudolf Černý. Nach meiner Rückkehr zu ihm bin ich wieder ruhiger und ausgeglichener geworden, die Chemie zwischen uns stimmt einfach. Ich danke ihm, dass wir zu zweit wieder erfolgreich sind. Den WM-Titel nach zehn Jahren erneut zu gewinnen, das klingt aber trotzdem unglaublich. Es ist einfach herrlich.“

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)Barbora Špotáková (Foto: ČTK) Bevor Barbora Špotáková jedoch den Sieg in der Tasche hatte und den Erfolg genießen konnte, musste sie erst einmal Leistung zeigen. Und eine gute Konzentration. Denn im ersten Durchgang des Finales hatte sie den Speer zu hoch angestellt, so dass er schnell wieder nach unten sank – nach weniger als 60 Metern. Damit war die Tschechin zwischendurch nur Zehnte. Doch dann kam der zweite Durchgang:

Der Speer fliege wesentlich besser als beim ersten Versuch, und er übertreffe als erster die 65-Meter-Marke, schilderte der Sportkommentator des Tschechischen Fernsehens. Der Speer berührte nach 66,76 Meter den Boden, und diese Weite sollte sogar zum Sieg reichen. Das verblüffte schließlich auch die neue Weltmeisterin:

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)Barbora Špotáková (Foto: ČTK) „Das ist meine Saison. Ich bin sehr gut in Form, deshalb habe ich auch an mich geglaubt. Ich dachte allerdings, dass ich weiter werfen müsste, um zu gewinnen. Es hat aber geklappt, und ich muss noch einmal bestätigen, was ich schon vor der WM gesagt habe: Das ist mein Stadion, hier bin ich unschlagbar, auch wenn ich nicht weiß, warum das so ist.“

Letzten Endes aber wollte und musste Špotáková diese Frage nicht beantworten. Vielmehr kann sie nun mit Stolz darauf verweisen, dass sie in den zurückliegenden zehn Jahren insgesamt zehn Medaillen bei Olympia oder Welt- und Europameisterschaften erkämpft hat. Nur im Jahr 2015 ging sie leer aus – und 2013, als sie ihr Babyjahr einlegte. Bei ihren Landsleuten aber ist die Speerwerferin nicht nur wegen ihre Erfolge sehr beliebt, sondern weil sie dazu noch bodenständig geblieben ist. Das bewies sie auch mit diesen Worten:

Barbora Špotáková (Foto: ČTK)Barbora Špotáková (Foto: ČTK) „Ich bin glücklich, für die Tschechische Republik erneut den Weltmeistertitel gewonnen zu haben. Das ist doch einfach nur erstaunlich.“

Zur Belohnung durfte Barbora Špotáková am Dienstagabend in London nicht nur die höchste Stufe des Siegerpodests besteigen, sondern sich ein weiteres Mal auch die Lieblingshymne aller Tschechen anhören.