Tagesecho Sport am Wochenende: Záhrobská ohne Vater, Sportvereine ohne Geld
Dieses Wochenende war es in Tschechien den Temperaturen nach zwar mild, für einige Sportler ist der Winter dennoch bereits nahe gerückt. So haben die alpinen Skifahrer ihren Weltcup-Auftakt bestritten – und das mit tschechischer Beteiligung. Das geschah allerdings vor dem Hintergrund, dass einige Sportverbände des Landes schweren Zeiten entgegensehen, wie bekannt wurde.
Šárka Záhrobská
Es war ein durchwachsener Saisonauftakt für die alpinen Skifahrer aus
Tschechien im österreichischen Sölden. Dabei brach für
Slalom-Vizeweltmeisterin Šárka Záhrobská eine neue Zeitrechnung an: das
Jahr eins an nach ihrem Vater als Trainer. Betreut wird sie nun von einem
vierköpfigen Team. Zuvor stand ihr Vater Petr Záhrobský sieben Jahre
lang zur Seite. Und nun ein bedeutender Schritt - wie die 24-Jährige vor
dem Rennen erläuterte:
„Ich finde, ich fahre gut damit, dass ich jetzt für mich selbst entscheide und mit meinem Team zusammen bin. Mir gefällt es, mich mehr einbringen zu können und die Eindrücke zu schildern, die ich nach einem Rennen habe. Diese Änderung kann nur helfen, ich sehe das als Herausforderung und freue mich auf die Saison. Ich habe neuen Spaß am Training und an allem gefunden. Vielleicht wirke ich deswegen jetzt auch gelöster.“
Šárka Záhrobská und ihr Vater haben sich übrigens im gegenseitigen Einvernehmen getrennt, wie es offiziell heißt. Für den Riesenslalom in Sölden half es nicht; wie in den Jahren zuvor konnte die tschechische Skifahrerin dort erneut nicht punkten. Nach dem ersten Lauf lag sie nur auf Rang 28. Als sie dann im zweiten Lauf alles auf eine Karte setzte, passierte ihr ein Fehler und sie schied kurz vor dem Ziel aus.
Ondřej Bank
Besser lief es bei den Männern für Ondřej Bank. Im ersten Rennen nach
seiner Genesung von einem Beinbruch fuhr er auf Platz 24. Doch ein
Leidensweg führte zu den ersten Weltcup-Punkten der Saison. Erst handelte
sich Bank einige Tage vor dem Riesenslalom Erfrierungen an den Zehen ein,
dann brach er sich im ersten Lauf des Rennens auch noch den Zeigefinger an
einer der Slalomstangen. Bank behauptet, das habe ihn rund zehn Plätze
gekostet. Wie auch immer: Der 28-Jährige muss nun erst einmal eine kleine
Trainingspause einlegen. Aber Glück für ihn: Das nächste Weltcup-Rennen
findet erst Mitte November statt.
Insgesamt aber scheint der tschechische Sport keinen rosigen Zeiten entgegenzusehen. Denn das Geld fehlt. Eigentlich sollten Sportarten von A wie American Football bis Z wie Zweiradsport dieses Jahr von der Lottogesellschaft Sazka insgesamt umgerechnet etwa 11 Millionen Euro erhalten. Doch auf dem Konto des tschechischen Sportbundes landete bisher nur ein Drittel des Geldes. Für viele Sportarten hat das Folgen:
„Sie haben weniger Geld für die Verwaltung, für die Mieten, es werden weniger Wettkämpfe besucht und die großen Trainingslager vor einer Europa- oder Weltmeisterschaft werden abgeblasen“, so der Finanzchef des Sportbundes, Pavel Pávek, gegenüber dem Tschechischen Rundfunk.
Das Interessante dabei: Der Sportbund ist selbst Hauptaktionär bei Sazka. Doch die schlechte Lage auf den Finanzmärkten und die Verschuldung beim Bau der Eishockey-Halle für die WM 2004 haben Sazka weniger Geld in die Kassen gespült. Dazu kommt, dass sich angesichts der Krise die Sponsoren aus dem Sport zurückziehen. Fehlt das Geld, dann könnte letztlich auch die Qualität leiden.








