Spolana weiter größter Umweltsünder in Tschechien

Die NGO Arnika hat die größte Drecksschleuder Tschechiens ermittelt. Und die Nummer eins heißt wieder: Spolana.

Chemiewerk Spolana (Foto: Hynek Moravec, CC BY-SA 3.0)Chemiewerk Spolana (Foto: Hynek Moravec, CC BY-SA 3.0) In der mittelböhmischen Kleinstadt Neratovice sollte man lieber die Luft anhalten. Im hiesigen Chemiewerk Spolana werden nämlich Kunststoffe und Düngemittel hergestellt. Und dementsprechend groß sind die Emissionen von krebserregenden Stoffen im Umfeld des Werkes. Deshalb wurde das Unternehmen von der Umweltorganisation Arnika bereits zum dritten Mal in Folge zum größten Umweltverschmutzer des Jahres gekürt. Jindřich Petrlík leitet den Umweltverband Arnika:

„Spolana hat wieder den Spitzenplatz in unseren Bewertungen belegt. Nichtsdestotrotz hat das Unternehmen seine Emissionen krebserregender Stoffe im vergangenen Jahr massiv senken können. Und das um ganze neun Tonnen.“

Insgesamt hat Spolana jedoch immer noch 38 Tonnen kanzerogener Stoffe in die Umwelt geblasen. Das liegt vor allem daran, dass das Werk als letztes in Tschechien mit dem Stoff Trichlorethen arbeitet. Es handelt sich dabei um ein chemisches Reinigungsmittel, das zwar nicht verboten ist, aber zu den am stärksten regulierten Chemikalien in der EU gehört.

Kraftwerk Počerady (Foto: Kivak, CC BY-SA 3.0)Kraftwerk Počerady (Foto: Kivak, CC BY-SA 3.0) Dass man viel getan habe in den vergangenen Jahren, meint auch Pavel Kaindl. Er ist Sprecher von Spolana und stellt noch weitere Bemühungen in Aussicht, damit die Bewohner von Neratovice durchatmen können:

„Gerade wegen dem Trichlorethen tauchen wir immer wieder ganz vorne in der Arnika-Rangliste auf. Wir haben den Ausstoß des Stoffes aber um ganze zehn Prozent reduzieren können. Damit will ich betonen, dass wir alle vorgeschriebenen Grenzwerte einhalten. Zudem investieren wir als Unternehmen mehre Milliarden Kronen jährlich in den Umweltschutz.“

Arnika wertet für seine Rangliste die Emissionsregister des Umweltministeriums aus. Dort tragen Unternehmen ihren Ausstoß von Giftstoffen für das laufende Jahr ein. Traditionell schlecht schneiden dabei vor allem die tschechischen Stromproduzenten ab. Beispielsweise findet sich beim Feinstaub das Kraftwerk Počerady in Kreis Ústí nad Labem / Aussig immer wieder an der Spitze der Giftleiter.

Jindřich Petrlík (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jindřich Petrlík (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Überraschend waren die Ergebnisse für Arnika in diesem Jahr nicht. Doch ein relativ neuer Trend bereitet den Umweltschützern immer stärkere Kopfschmerzen. Es geht um den Stoff Styrol, der in der Kunststoffherstellung zum Einsatz kommt. Zunehmend verwenden Fabriken diese Flüssigkeit mit dem charakteristisch-süßlichen Geruch in ihrer Produktion.

„Es handelt sich um einen potentiell krebserregenden Stoff. Deshalb fordern wir da eine stärkere Regulierung vom Staat“, meint dazu Jindřich Petrlík von Arnika.

Ein besonderes Problem ist Styrol demnach beim Unternehmen ACO Industries. Der Polymerbeton-Hersteller aus dem südostböhmischen Přibyslav hat im vergangenen Jahr insgesamt 23,6 Tonnen der Chemikalie in die Umwelt entlassen, das sind ganze 19 Tonnen mehr als noch ein Jahr davor. Damit ist ACO zudem der Umweltsünder, der sich am meisten verschlechtert hat im Jahresvergleich.