Spionageverdacht gegen zwei Tschechen in Griechenland

Seit mehr als zwei Monaten sitzen zwei Tschechen in Griechenland im Gefängnis. Sie wurden Mitte September wegen des Verdachts auf Spionage verhaftetet. Ihr Einspruch wurde vergangene zurückgewiesen, sie müssen nun auf das Gerichtsverfahren warten.

Martin Pezlar und Ivan Buchta (Foto: Lidové noviny, 21. 11. 2012)Martin Pezlar und Ivan Buchta (Foto: Lidové noviny, 21. 11. 2012) Die Tschechen Ivan Buchta und Martin Pezlar wurden am 9. September in Griechenland verhaftet. Nach ersten Berichten hieß es, sie hätten auf der Insel Limnos militärische Objekte fotografiert. Dabei soll es sich um möglichst realistische Aufnahmen für ein Computerspiel gehandelt haben. Der Arbeitgeber der beiden Tschechen, die Firma Bohemia Interactive aus Prag, leugnet dies jedoch. Ihre Angestellten hätten Privaturlaub auf der Insel gemacht und nur als Touristen Fotos angefertigt. Die griechische Polizei ist jedoch anderer Meinung: Sie hält die beiden für türkische Spione. Wegen Spionage drohen ihnen bis zu 20 Jahre Gefängnis. Der Hauptbeweis gegen die Tschechen sollen Fotografien sein. Auf 14 von 250 aufgenommenen Bildern befinden sich tatsächlich militärische Objekte. Es sei jedoch schwer zu glauben, dass diese Spionagezwecken dienen könnten, so ihr griechischer Anwalt:

Insel Limnos (Foto: Phelim123, Wikimedia Creative Commons 3.0)Insel Limnos (Foto: Phelim123, Wikimedia Creative Commons 3.0) „Alle diese Bilder wurden während einer Autofahrt aufgenommen, auf öffentlichen Straßen. Im Internet lassen sich ohne Schwierigkeiten ausführlichere Bilder höherer Qualität finden.“

Militärische Objekte dürfen in Griechenland nicht ohne Erlaubnis fotografiert werden. Dieser Verstoß wird allerdings normalerweise mit einer Geldstrafe geahndet. Den bisherigen Misserfolg ein Verfahren abzuwenden, begründet der Anwalt damit, dass der Anfangsverdacht für eine Haftverhängung reiche. Bei Gericht würden allerdings die Beweise für den Spionagevorwurf nicht ausreichen. Die Situation der Tschechen wird aber auch dadurch erschwert, dass sich ein Zeuge bei der Polizei gemeldet hat. Wer das ist und was er ausgesagt hat, darf nach griechischen Gesetzen allerdings nicht veröffentlicht werden.

Die beiden Tschechen sind jetzt in diesem Gefängnis (Foto: Ondřej Bouda, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Die beiden Tschechen sind jetzt in diesem Gefängnis (Foto: Ondřej Bouda, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Die beiden Tschechen wurden im Gefängnis von ihren Vätern besucht. Mit ihnen reiste auch Ondřej Bouda, Reporter des Tschechischen Rundfunks nach Griechenland. Ihm zufolge konnten zahlreiche früher aufgekommene Spekulationen in den Ermittlungsunterlagen widerlegt werden. Auf der Liste der beschlagnahmten Technik seien nur Fotoapparate, Videokameras und Notebooks, aber keine ausgefeilte Spionagetechnik, wie zum Beispiel Nachtsichtgeräte. Bouda zufolge enthalte die Ermittlungsunterlagen auch Informationen, die neue Spekulationen zulassen, zum Beispiel, dass die Tschechen im Voraus verfolgt worden seien:

Illustrationsfoto: Archiv ČRo 7Illustrationsfoto: Archiv ČRo 7 „Es gibt dort zum Beispiel ein anonymes Dokument, das jemand den Behörden auf Limnos zukommen lassen hat. Beide Tschechen werden darin mit Namen genannt und wird dort bekannt gegeben, wann sie auf der Insel ankommen, wie lange sie sich dort aufhalten und in welchem Hotel sie wohnen werden. Es sieht fast so aus, als wäre alles im Voraus vorbereitet worden. Einer der erwähnten möglichen Gründe ist ein Konkurrenzkampf zwischen Computer-Firmen. Das sind aber nur Spekulationen, die sich nicht beweisen lassen.“

Wann die Gerichtsverhandlung stattfinden wird, ist noch offen, denn eine Untersuchungshaft kann in Griechenland bis zu 18 Monate dauern. Um die Inhaftierten kümmert sich das tschechische Außenministerium und am Mittwoch hat sich auch Präsident Václav Klaus in den Fall eingemischt. In einem Brief versicherte er seinem griechischen Amtskollegen, keine Zweifel an der Unabhängigkeit der griechischen Justiz zu haben. Er bat ihn, dem unglücklichen Fall seine besondere Aufmerksamkeit zu widmen, damit sein Verlauf keinen Schatten auf die bilateralen Beziehungen werfe.

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