Tagesecho SOS-Verbraucherschutz: Verschuldung tschechischer Haushalte nimmt rapide zu
Den Verlockungen der Konsumgesellschaft seit der Wende 1989 können sich selbstverständlich auch die Tschechen nicht entziehen. Doch in der wachsenden Flut von Angeboten, Preisvergleichen und Versprechungen finden sich nur noch die wenigsten zu Recht. Deshalb steht ihnen die Verbraucherschutz-Vereinigung (SOS) mit Rat und Tat zur Seite. Und die tschechischen Verbraucherschützer sorgen bereits auf vielen Feldern für Aufklärung.
Um die Käufer in Tschechien für ihre Angebote zu gewinnen, betreiben
nicht wenige Unternehmen eine ziemlich aggressive Werbung. Besonders
Leasing- und Kreditfirmen, die parallel zu den Banken operieren, betonen
immer wieder, dass man sich dank ihrer Hilfe fast jeden Wunsch sehr schnell
und unbürokratisch erfüllen kann. Nicht wenige Verbraucher können diesen
Verlockungen kaum widerstehen. Die Folge: Lange und strikte
Ratenabzahlungen, die einige Haushalte bisweilen auch ziemlich rasch in die
Schuldenfalle führen. Und laut SOS-Verbraucherschützer Michal Kebort ist
ein Ende des Schuldenanstiegs noch nicht in Sicht:
„Die Verschuldung der Haushalte in Tschechien steigt in rapidem Tempo,
und zwar um 30 Prozent jährlich. Presseberichten der Zentralbank zufolge
stellt das noch kein Problem dar, da die Tschechen von der Verschuldung in
Westeuropa noch ein Stück entfernt seien und diesen Abstand eigentlich nur
weiter verkürzen. Allerdings holen wir mit Sieben-Meilen-Stiefeln auf und
die Frage steht, ob wir den Zuwachs der Verschuldung dann auch stoppen
können, wenn wir das Niveau der westeuropäischen Länder erreicht haben
werden. Und selbstverständlich steigt mit der Verschuldung auch der Anteil
der Personen, die sich überschulden.“
Dieser Entwicklung hat die tschechische Gesetzgebung mittlerweile Rechnung getragen, ergänzt Kebort.
„Gelöst werden soll das Problem durch das Insolvenzgesetz, das mit dem neuen Jahr in Kraft treten wird. Die Auflagen und Bedingungen, die man erfüllen muss, sind jedoch auch in diesem Gesetz sehr strikt gefasst. Wenn sich der Verbraucher entscheidet, seine Überschuldung anhand dieses Gesetzes abzubauen, kann er davon profitieren, seine Schulden nicht komplett zurückzahlen zu müssen. Auf der anderen Seite muss er sich darauf einstellen, dass er fünf Jahre lang nur auf einem Niveau leben wird, das dem Existenzminimum entspricht.“
Foto: Europäische Kommission
Die Verbraucherschutz-Vereinigung hilft aber nicht nur dort, wo das Kind
sozusagen schon in den Brunnen gefallen ist. Dank einer Vielzahl von ihr
durchgeführter Erhebungen, Tests und Kontrollen stellt sie dem Verbraucher
jede Menge Informationen zur Verfügung. Einem jüngsten Test zufolge kann
man zum Beispiel erfahren, dass von 100 Firmen, die ihre Geschäfte via
Internet anbieten, nur drei Prozent alle geltenden Geschäftsbedingungen
erfüllen. Auch die jährlich drei Mal von SOS durchgeführten Kontrollen
der böhmischen und mährischen Obst- und Gemüsemärkte haben kein
erfreuliches Bild geboten. Vielfach stimme die tatsächliche Qualität
nicht mit der ausgewiesenen überein, die Verbraucher erhielten höchst
selten Auskunft über die Herkunft der Ware, und auf den Märkten, wo die
Kunden vor allem frisches Obst und Gemüse erwarten, seien viele Produkte
oft schon verwelkt oder vergilbt, teilte Ivana SOS-Mitarbeiterin Ivana
Pickova vor Presseleuten mit. Im Gegensatz zur Schuldenentwicklung sei man
auf diesem Gebiet sogar noch ein Stückchen weiter von den
westeuropäischen Märkten entfernt, meinte Ivana Pickova.







