Tagesecho Skispringen: Weltcupsieger Janda zwischen Triumph und Konflikten

20-03-2006 15:44 | Gerald Schubert

Jakub Janda hat seinen Fixplatz in der heimischen Sportgeschichte: Als erster tschechischer Skispringer konnte sich der Sieger der Vierschanzentournee am vergangenen Wochenende auch den Sieg im Gesamtweltcup sichern. Gerald Schubert berichtet.

Download: MP3

Jakub Janda (Foto: CTK)Jakub Janda (Foto: CTK) Bis zum letzten Saisonwochenende war es knapp. Dennoch sieht ein Herzschlagfinale eigentlich anders aus: Am Sonntag, zum allerletzten Bewerb, ist Janda gar nicht mehr angetreten, die Windverhältnisse schienen ihm zu gefährlich. Und er musste auch nichts mehr riskieren, denn die Entscheidung war bereits am Vortag gefallen.

Janne Ahonen, der finnische Verfolger des Tschechen, hätte am Samstag auf der Großschanze in Planica mindestens einen zweiten Platz benötigt, um das Rennen um die Gesamtweltcup-Trophäe - wenigstens theoretisch - bis zum Schluss offen zu halten. Er wurde aber nur Elfter. Und so genügte Janda sein 29. Platz, um den Sack zuzumachen.

Bei der Siegerehrung überwog unübersehbar der Jubel über den Triumph, im anschließenden Interview aber kam dann doch wieder ein bisschen die Enttäuschung wegen der verpatzten Olympischen Winterspiele durch:

"Ich bin froh, dass in dieser Saison wenigstens etwas gelungen ist. Es ist wahrscheinlich der Traum jedes Springers, die Vierschanzentournee und den Gesamtweltcup zu gewinnen. Aber dann waren da natürlich noch die Olympischen Spiele, und dort hat es einfach nicht geklappt. Wir haben alles getan, was möglich war, aber ich bin dort einfach nicht richtig in Form gekommen."

Janne Ahonen (links), Jakub Janda und Andreas Küttel (rechts) (Foto: CTK)Janne Ahonen (links), Jakub Janda und Andreas Küttel (rechts) (Foto: CTK) Und noch etwas trübt die Freude im tschechischen Team rund um Jakub Janda: Streitigkeiten. Auf der einen Seite stehen etwa der slowenische Erfolgstrainer Vasja Bajc, der einen unbestritten großen Anteil an Jandas Erfolgen hat, und Leos Skoda, der Chef der Springersektion im tschechischen Schiverband. Das sind sozusagen die Offiziellen. Auf der anderen Seite: Jakub Jandas Vater Milan, oder sein bester Freund und Manager Frantisek Jez. In dem Streit geht es in erster Linie um Marketingkonzepte - mit anderen Worten: ums Geld. Erfolgsspringer Janda selbst steht dabei natürlich zwischen den Fronten.

Bis zur nächsten Saison kann sich noch viel ändern. Die jüngste Wendung aber verspricht zunächst einmal wenig Kontinuität: Erfolgstrainer Bajc hat noch am Tag des Triumphs seinen Rücktritt angekündigt.

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Fauxpas im internationalen Wettbewerb

Renate Zöller

Wieder einmal ist Tschechien angeklagt, die Regeln des internationalen Wettbewerbs missachtet zu haben. Im Falle TV Nova musste Tschechien...mehr...

Weißrussen demonstrieren in Prag gegen Lukaschenko

Martina Schneibergová

Überraschend ist es nicht: Der autoritär regierende weißrussische Herrscher Alexander Lukaschenko wurde am Sonntag als Staatsoberhaupt...mehr...

Mit Freiern gegen Frauenhandel

Thomas Kirschner

"Pomoc sve prostituce", "Hilf deiner Prostituierten" titelte die Tageszeitung Mlada fronta Dnes am Montag lapidar. Was sich anhört...mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch