Tagesecho Sieben Riegel, elf Tage: Böhmischer Kronschatz erstrahlt in Prag
Königliche Momente verspricht in den kommenden Tagen der Vladislav-Saal auf der Prager Burg: Zum ersten Mal seit fünf Jahren wird dort wieder der böhmische Kronschatz zu sehen seien. Nur zu besonderen Gelegenheiten werden die Reichskleinodien aus den sichern Mauern der Kronkammer im Prager Veitsdom an das profane Tageslicht geholt – ganz so wie es sich ihr Stifter Karl IV. im 14. Jahrhundert gewünscht hatte.
Böhmischer Kronschatz (Foto: ČTK)
Der magische Glanz von Gold und Edelsteinen, vor allem aber die Aura von
Jahrhunderten der böhmischen Geschichte erfüllt ab Samstag den
prunkvollen Vladislav-Saal der Prager Burg – allerdings nur für kurze
elf Tage. Die Gelegenheiten, einen Blick auf die Wenzelskrone zu erhaschen
sind rar. So hat es schon Karl IV. bestimmt, und sein Vermächtnis wird
trotz enormem Interesse der Öffentlichkeit bis heute eingehalten, weiß
Denkmalschützer Petr Chotěbor:
„In der letzten Zeit sind die Krönungsinsignien einmal in fünf Jahren zu sehen – immer zu den Jahrestagen der Staatsgründung, also sowohl zur Entstehung der Tschechoslowakei 1918 und auch zur Gründung der Tschechischen Republik 1993. Wenn wir zurück in die Geschichte blicken, etwa in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, dann waren die Kleinodien damals bei weitem nicht so oft zu sehen. Auch wenn die Besucher, die jetzt in den langen Schlangen stehen müssen, sich wahrscheinlich wünschen, dass sie noch öfter gezeigt werden.“
Neben der Wenzelkrone aus dem 14. Jahrhundert mit ihren Saphiren, die zu
den größten der Welt zählen, gehören noch Reichsapfel, Zepter und der
hermelinbesetzte Krönungsmantel zu den Insignien des Reiches. Ergänzt
werden die Reichskleinodien durch Reliquienkreuz und Krönungsschwert, die
bei den Krönungen zum Einsatz kamen – zum letzten Mal am 7. September
1836, als Ferdinand der Gütige die böhmische Krone empfing. Seitdem wird
der Kronschatz nur zu besonderen Gelegenheiten hervorgeholt .Zu den ersten,
die die Kleinodien jetzt zu Gesicht bekamen, gehört Denkmalschützer Petr
Chotěbor:
„Unsere Arbeit besteht nur im äußerlichen Umgang - wir öffnen vorsichtig den Tresor und nehmen die Kleinodien heraus. Für eine eventuelle Säuberung wird ein Restaurator als Fachmann hinzugezogen, der die Stücke genau untersucht, bevor sie in die Vitrine gelegt werden. Wir nehmen hier nur eine erste Sichtprüfung vor, und das noch im Beisein der sieben Schlüsselherren, wenn die Insignien aus der Kronkammer herausgenommen werden.“
Denn sieben Schlüssel sind notwendig für die sieben Schlösser der
eisenbeschlagenen Tür der Kronkammer. Schlüsselherren sind die sieben
höchsten Vertreter von Staat, Stadt und Kirche. Präsident, Premier, der
Prager Erzbischof, die Vorsitzenden beider Parlamentskammern, der Dompropst
und der Prager Oberbürgermeister bildeten so am Donnerstag bei der
Öffnung der Schatzkammer die erste kurze Schlange vor den
Krönungsinsignien. Und die dürfte am Wochenende schnell länger werden,
meint Ivo Velíšek, Leiter der Verwaltung der Prager Burg:
„Eintrittskarten gibt es nicht, Reservierungen gibt es nicht – wer in die Ausstellung will, muss sich hinten anstellen. Wir gehen von einer Wartezeit von vier bis fünf Stunden aus. Der kritische Moment wird wahrscheinlich gegen elf Uhr vormittags liegen, wenn wir die Pforten zu dem Burggarten schließen müssen. Die, die drin sind, werden dann in den verbleibenden fünf Stunden an die Reihe kommen, und die anderen, die außen vor bleiben, haben an dem Tag eben keine Möglichkeit mehr, die Ausstellung zu sehen.“






