Tagesecho Seit acht Jahren wird Tradition des Karnevals in Tábor wiederbelebt
Das feuchtfröhliche Karnevalstreiben - die sogenannte fünfte Jahreszeit - ist mit dem Aschermittwoch wieder einmal zu Ende gegangen. In den Karnevalshochburgen Deutschlands fand sie einmal mehr mit großen, farbenprächtigen Umzügen zum Rosenmontag und Faschingsdienstag ihren Höhepunkt. Wird eine solche Tradition auch in Tschechien begangen? Wir sind dieser Frage nachgegangen. Dazu ein kleiner Report von Lothar Martin, es liest Ludmila Clauss.
Karneval in Tabor
Der Karneval in Böhmen und Mähren, in der Landessprache "masopust" genannt,
wird in einer kleineren, bescheideneren Form gepflegt. Und das vor allem auf
dem Lande, wo die Dorfeinwohner maskiert und fröhlich tanzend von Haus zu
Haus ziehen. Dabei wird musiziert und gesungen, es werden Pfannkuchen und
Sliwowitz gereicht. Ähnlich lustig und locker geht es bei weitem in den
Städten nicht zu. Ja man muss die Städte sogar suchen, wo eine gewisse
Faschingstradition aufrechterhalten wird oder aber wiederentdeckt wurde. Zu
diesen Städten gehört das südböhmische Tábor. Zur dortigen Tradition des
Karnevals befragt, antwortete uns die städtische Referentin für Kultur und
Reiseverkehr, Lenka Horejsková: "Hier hat man den Karneval schon vor 100
Jahren gefeiert, als in Tábor traditionelle Faschingsumzüge durchgeführt
wurden. Die Besonderheit dieser Umzüge bestand darin, dass sie von den
Faschingsmasken Jan Zizka, dem berühmten Hussitenführer, und seiner
Partnerin angeführt wurden, die dem lustigen Zug der Narren und Närrinnen zu
Pferde voranritten. Wir haben vor acht Jahren damit begonnen, diese
Tradition zu erneuern. Wir haben mehr oder weniger versucht, herauszufinden,
wie die Öffentlichkeit reagiert. Ich denke, heute können sich die Einwohner
von Tábor und Umgebung die Faschingszeit ohne diesen Umzug schon nicht mehr
vorstellen. Doch wir wären erfreut darüber, wenn sich diesem in Zukunft
immer mehr Leute anschließen würden, um Frohsinn zu verbreiten, anstatt nur
relativ passiv am Straßenrand zu stehen und diese Aktion zu verfolgen."
Karneval in Tabor
... in der Tat, Länge und Originalität des Umzuges sind längst nicht zu
vergleichen mit den Umzügen, wie man sie in Deutschland kennt. Und auch
einige klassische Masken wie der Bär, die Alte mit dem Tragkorb oder das
Begräbnis des Kontrabasses wurden noch nicht wiederentdeckt. Dafür zeigten
sich uns am Faschingsdienstag gleich mehrfach der traditionelle Wassermann
und der beliebte Teufel. Erstmals wurden auch bekannte tschechische Sportler
nachgestellt. Aus aktuellem Anlass waren es die Olympiateilnehmer von Salt
Lake City mit der erfolgreichen Skilangläuferin Katerina Neumannová an der
Spitze. An die Karikatur der nicht sonderlich geliebten Spitzenpolitiker des
Landes wagte man sich allerdings noch nicht heran. Alles steckt halt noch in
den Anfängen. Andererseits ist man froh, den Brauch des Faschingsumzuges
wieder aufleben lassen zu können, wie uns eine mit 15 Schulkindern anwesende
Lehrerin der deutsch-tschechischen Volksschule der Bernard-Bolzano-Stiftung
verriet:





