Tagesecho Schwarzenberg: Tschechien hegt Pläne zum Abzug seiner Soldaten im Irak
Binnen 40 Tagen hatte die "Koalition der Willigen" unter Führung der Vereinigten Staaten vor viereinhalb Jahren einen Blitzkrieg gegen den Irak des Saddam Hussein geführt und gewonnen. Doch seitdem herrschen in dem besetzten Land eher bürgerkriegsähnliche Zustände als demokratische Verhältnisse. Letztere können auch nicht von heute auf morgen erreicht werden. Das ist sicher einer der Gründe, weshalb US-Amerikaner und Briten ihre Truppen nun teilweise aus dem Irak abziehen wollen. Und in ihrem Sog erwägt Tschechien jetzt ebenfalls die Verringerung seines militärischen Engagements im Zweistromland.
Die Tschechische Republik hat rund 100 Soldaten im Irak. Die Mehrzahl von
ihnen ist nahe der südirakischen Stadt Basra im Einsatz. Und zwar
vorzugsweise als Wachtrupp der dort stationierten verbündeten
internationalen Streitkräfte, die von den Briten befehligt werden. In
einer
Sendung des Tschechischen Fernsehens (CT) hat der tschechische
Außenminister Karel Schwarzenberg nun am Sonntag erstmals bekannt gegeben,
dass man die Absicht habe, diese Soldaten alsbald heimzuholen.
Gleichzeitig
aber betonte Schwarzenberg:
"Selbstverständlich müssen wir darüber noch mit unseren Verbündeten sprechen, denn wir sind Teil des militärischen Kontingents, das in und um Basra operiert. Das Für und Wider unseres schrittweise geplanten Truppenabzugs müssen wir noch grundlegend ausdiskutieren, damit dadurch weder unsere Soldaten noch unsere Verbündeten einer Gefahr ausgesetzt sind."
Aus diesem Grund konnte Schwarzenberg auch noch keinen Termin nennen, wann man mit dem Abzug beginnen werde.
Derweil meldeten sich in Prag schon mehrere Politiker zu Wort und erklärten, was sie von den Irak-Plänen des tschechischen Außenministeriums halten. Nach Meinung des Vizechefs der Kommunistischen Partei Böhmens und Mährens (KSCM), Jiri Dolejs, hätte dieses Vorhaben schon viel eher realisiert werden sollen:
Bagdad (Foto: CTK)
"Unserer Meinung nach sollten die Soldaten schon längst zu Hause
sein. Wir denken, dass eine wirtschaftliche Zusammenarbeit besser ist als
militärische Truppen zu entsenden."
Der Vizevorsitzende des Abgeordnetenhauses, der Sozialdemokrat Lubomir Zaoralek, wiederum vertritt die Auffassung, dass man in dieser Angelegenheit keine übereilten Entscheidungen treffen und darüber insbesondere mit der Regierung in Bagdad verhandeln sollte:
"Das Land ist stark zerstört. Wir sollten daher weiter helfen, was jedoch nicht leicht ist, weil es an vielen Orten sehr gefährlich ist. Ich bin aber dafür, dass wir in Absprache mit der irakischen Seite vereinbaren, wo wir uns am besten nützlich machen könnten. Wenn wir schon einmal in den Irak gegangen sind, dann sollten wir in der jetzigen Situation nicht davonlaufen, denn die Situation ist ernst."
Die Partei der Grünen, die Schwarzenberg einst für den Außenministerposten
nominierte und die auch hinter der Initiative steht, hat eine ebenso klare
Vorstellung von einer Weiterverpflichtung tschechischer Soldaten im Irak.
Ihnen zufolge sollten die Soldaten, die bei Basra unter britischem
Oberbefehl operieren, abgezogen werden. Die Tschechen aber, die in Bagdad
im Rahmen der NATO-Truppen im Einsatz sind, sollten vor Ort bleiben. Und
das sind drei Militärs, die dort irakische Offiziere ausbilden.






