Tagesecho Schulden und schwere Baumängel: Prager Staatsoper vor dem Aus?
Seit über 120 Jahren erklingen in dem Haus neben dem Prager Hauptbahnhof Arien von Wagner, Mozart, Verdi und Co. Doch nun droht der Prager Staatsoper die Schließung: Wegen Geldmangels mussten mehrere Premieren abgesagt werden, und durch das marode Dach dringt Wasser ins Gebäude. Der erst im vergangenen Sommer neu bestellte Operndirektor konnte sein langfristiges Sanierungskonzept nicht durchsetzen und hat im Dezember das Handtuch geworfen. Das Kulturministerium will dem traditionsreichen Haus nun offenbar eine allerletzte Chance geben.
Prager Staatsoper
Neues Deutsches Theater, Theater des 5. Mai, Smetana-Theater, Prager
Staatsoper. Das Opernhaus neben dem Prager Hauptbahnhof hat im Lauf der
Jahrzehnte schon viele Namen getragen und einiges erlebt. Seit der
feierlichen Eröffnung am 5. Januar 1888 mit Richard Wagners
„Meistersingern von Nürnberg“ stand es unter dem Einfluss der
verschiedensten Regimes. Während des Kommunismus etwa war es fast ein
halbes Jahrhundert lang bloß eine Außenstelle des Nationaltheaters. Doch
allen politischen Widrigkeiten zum Trotz lief der Spielbetrieb weiter. Die
diesjährige Saison könnte allerdings die letzte in der 123-jährigen
Geschichte des Hauses sein. Die Bausubstanz bröckelt, in die Foyers und
das Bühnenhaus sickert Regenwasser. Außerdem hat die vom
Kulturministerium finanzierte Staatsoper mittlerweile einen Schuldenberg
von einer Dreiviertelmillion Euro angehäuft.
Oliver Dohnányi
Oliver Dohnányi, der erst im Juli 2010 sein Amt als neuer Chef der
Staatsoper angetreten hatte, wollte das Haus mit einem langfristigen
Sanierungsplan aus der Krise holen und das Renommee der vergangenen Zeiten
wiederherstellen:
„Die Staatsoper verfügt über eine Reihe von hervorragenden Künstlern, die eine tolle Arbeit leisten könnten und auch leisten. Aber wirklich gut arbeiten können sie nur, wenn Sie eine Vision für die Zukunft haben, an der sich ihre Bemühungen orientieren. Und genau das fehlt. Ein so bedeutendes Opernensemble einfach so dahinsiechen zu lassen, das wollte ich nicht. Und deshalb habe ich dieses Konzept vorgelegt.“
Prager Staatsoper
Doch der von Dohnányi vorgestellte Zwölfjahresplan stieß im
Kulturministerium dem Vernehmen nach auf wenig Gegenliebe und der
Operndirektor erklärte Ende Dezember seinen Rücktritt.
Unklar bleibt, wie es nun mit der Staatoper weitergehen soll. Bereits in der Vergangenheit gab es Pläne, sie der Stadt Prag zu übertragen. Der Prager Magistrat allerdings hält dies für ein Danaergeschenk und lehnte dankend ab. Zu groß sei der Investitions- und Subventionsbedarf. Und die Stadt unterhalte schließlich bereits eine ganze Reihe von Sprechtheatern, hieß es aus dem Rathaus. Auch die erneute Fusion mit dem Prager Nationaltheater, das ebenfalls über ein großes Opern- und Ballettensemble verfügt, wurde diskutiert. Doch nach dem Willen von Kulturminister Jiří Besser soll die Prager Staatsoper ein eigenständiges Musiktheater bleiben:
Jiří Besser (Foto: Kristýna Maková)
„Es sind Investitionen nötig, etwa zur Renovierung der Bühne und des
Orchestergrabens. Das muss gemacht werden, aber das kann man nicht
gleichzeitig mit der Transformation der Staatsoper machen. Es muss
zunächst klar sein, was auf der Bühne in Zukunft gezeigt wird.“
Im Frühjahr will Minister Besser sein Zukunftskonzept für die Staatsoper präsentieren. Wie der Tschechische Rundfunk aus Ministeriumskreisen erfahren hat, soll die Staatsoper nun eine letzte Chance bekommen. Ist der Schuldenberg nach zwei Spielzeiten nicht abgebaut, droht dem Haus die Schließung. Interims-Opernchef Radim Dolanský hat der traditionsreichen Bühne bereits einen strikten Sparkurs verordnet und in der laufenden Spielzeit mehrere Premieren abgesagt.








