Tagesecho Schuhkönig Baťa verlangt Entschädigung für Nachkriegs-Enteignungen
Das Schuhimperium Baťa will vom tschechischen Staat eine Entschädigung für den nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten Besitz fordern. Das hat der 92-jährige Familienpatriarch Tomáš Baťa junior in London bekannt gegeben. Auf Tschechien könnte eine Milliardenforderung zukommen.
Tomáš Baťa (Foto: CTK)
Erst in der vergangenen Woche hatte die Prager Staatsanwaltschaft den
ehemaligen Konzernchef Jan Antonín Baťa posthum rehabilitiert. Ihm waren
Landesverrat und Kollaboration mit NS-Deutschland vorgeworfen worden –
Grundlage für die Enteignung des Baťa-Stammhauses im südmährischen
Zlín gemäß den Beneš-Dekreten. Dies sei nun hinfällig geworden, meint
Familienoberhaupt Tomáš Baťa junior:
„Wir sind der Ansicht, dass gemäß der tschechischen Gesetze für die Verstaatlichung eine Entschädigung gezahlt werden muss. Darauf warten wir bislang, und wir hoffen, dass das irgendwann passiert.“
Firmengründer Tomáš Baťa junior hatte das Familien-Schuhimperium in
der ersten Republik in rasantem Tempo aufgebaut; der Wert der
Akteingesellschaft lag vor dem Zweiten Weltkrieg bei 50 Milliarden Kronen
– wohlgemerkt in der damaligen Währung.
„Ich glaube, dass die Erfolgsaussichten einer Entschädigungsklage hier ziemlich groß sind, denn der Staat trägt die Verantwortung für ein falsches Vorgehen der Verwaltung und für widerrechtliche Entscheidungen“,
so Anwalt Jan Pavlok gegenüber dem Tschechischen Fernsehen (CT). Allerdings erwarten Experten einen finanziellen Abgleich und nicht eine Rückgabe der konfiszierten Liegenschaften. Das würde auch für erhebliche Probleme sorgen – dem Baťa-Konzern haben vor dem Weltkrieg nicht nur mehrere Schlösser gehört, sondern auch praktisch die gesamte Innenstadt von Zlín, einschließlich dem ausgedehnten Werksgelände, einem Kaufhaus, den Filmstudios und dem modernen Wahrzeichen der Stadt, dem so genannten „Wolkenkratzer“. In dem hat heute auch der Chef der Zlíner Regionalregierung, Libor Lukáš, seinen Sitz:
Baťa-Werke in Zlín (Foto: Martina Stejskalová)
„Ich werde das mit großem Interesse verfolgen und bis selbst gespannt,
wohin der Schritt der Prager Staatsanwalt in Beziehung auf finanzielle
Fragen und Restitutionsansprüche führen wird“, so Lukáš.
Wie auch immer der zu erwartende Rechtsstreit ausfallen wird – die Firma
Baťa ist längst schon wieder in die südmährische Heimat zurückgekehrt.
Bereits unmittelbar nach der Wende hatte Tomáš Baťa junior einige Teile
der ehemaligen Baťa-Werke in Zlín zurückgekauft. Produziert wird in
Tschechien allerdings nur noch in geringem Umfang.







