Tagesecho Sazka-Chef Hušák entmachtet – Konkursverwalter gibt Sazka zum Verkauf frei
Die älteste Lotteriegesellschaft in Tschechien, das Unternehmen Sazka, hat seit Montag einen neuen Chef. Es ist der Vorsitzende des Extremsport-Verbandes, Marek Hájek. Diese Meldung sorgte allerdings für wenig Aufsehen, da der neue Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft quasi handlungsunfähig ist. Seit Ende Mai durchläuft Sazka nämlich ein Konkursverfahren und untersteht so bei allen Entscheidungen dem Konkursverwalter. Viel mehr Gewicht aber hat die Konsequenz des Führungswechsels, denn damit wurde der ehemalige Sazka-Chef Aleš Hušák endgültig entmachtet.
Marek Hájek (Foto: ČTK)
Im März 1995 wurde der promovierte Rechtsanwalt Aleš Hušák zum
Vorstandsvorsitzenden von Sazka ernannt, und nur einen Monat später
übernahm er auch den Posten des Generaldirektors der Firma. Das
Unternehmen, dessen Tätigkeit einer Gelddruckmaschine gleichkam, sollte
viel Geld zur Finanzierung des tschechischen Sports abwerfen. Aus gutem
Grund, denn der Mehrheitsaktionär von Sazka war und ist der Tschechische
Verband für Körpererziehung und Sport (ČSTV). Nachdem aber im Jahr 2004
die modernste und größte Multifunktionsarena des Landes, die heutige O2
Arena in Prag, fertig gestellt wurde, geriet Investor Sazka in finanzielle
Schwierigkeiten. Die Rückzahlung eines Milliardenkredits stellte Sazka vor
immer größere Probleme, so dass die Lotteriegesellschaft in diesem Jahr
zunächst Insolvenz und im Mai dann auch Konkurs anmelden musste. Bei einem
besseren Management hätte Sazka diese Talfahrt bestimmt abwenden können,
glaubt Konkursverwalter Josef Cupka. In seinem Kommentar zum
Führungswechsel machte er daher ziemlich deutlich:
„Der Vorstand von Sazka hat heute getan, was er tun musste. Meiner Meinung nach ist das jetzt auch eine der wenigen Sachen, die der Vorstand gegenwärtig tun kann. Er kann auch jederzeit einen anderen Vorsitzenden wählen. Auf der anderen Seite denke ich, dass die heutige Vorstandssitzung schon vor einem Jahr hätte stattfinden müssen.“
Aleš Hušák
Da aber regierte noch Hušák mit eiserner Faust und ließ sich von den
anderen Mitgliedern des Vorstands kein X vors U machen. Hájek, der neue
Vorsitzende, schlägt da ganz andere Töne an. Er wolle mit
Insolvenzverwalter Josef Cupka korrekte Beziehungen pflegen und alles zur
Lösung der komplizierten Situation von Sazka tun, sagte er kurz nach
seiner Ernennung. Das ist auch zwingend notwendig, da Sazka bei über 2000
Gläubigern Schulden von umgerechnet 1,7 Milliarden Euro hat. Trotz dieses
erdrückenden Schuldenbergs aber bleibt die Lotteriegesellschaft für
Käufer weiter attraktiv. Denn auch sie sehen in dem Unternehmen, dass
über das beste Netz an Lotto-Annahmestellen in ganz Tschechien verfügt,
immer noch eine Maschine zum Gelddrucken. Daher sind auch zwei der
größten Gläubiger von Sazka, die Finanzgruppen PPF und KKCG, der Firma
jetzt helfend zur Seite gesprungen. Die Finanzgesellschaft Moranda, die von
der PPF-Gruppe des Milliardärs Petr Kellner kontrolliert wird, hat zum
Beispiel einige Darlehen an Sazka vergeben. Als hartnäckiger Konkurrent
steht den genannten Finanzgruppen die Investmentfirma Penta gegenüber, die
auch Besitzer der konkurrierenden Lotteriegesellschaft Fortuna ist.
Für diese und weitere Interessenten hat Konkursverwalter Cupka nun am 19. August den Startschuss zum Verkauf von Sazka gegeben. Bei dem von ihm gewählten und vom Prager Stadtgericht genehmigten Auswahlverfahren gibt es jedoch auch einige Hürden zu überwinden. Eine davon ist die von den Interessenten zu hinterlegende Kaution in Höhe von einer halben Milliarde Kronen. Diese Maßnahme, die vor allem bei Penta auf Kritik stieß, begründete Cupka so:
Josef Cupka (Foto: ČTK)
„Detaillierte Informationen zum Verkauf von Sazka geben wir nur an jene
Teilnehmer des Bieterverfahrens heraus, die auch die Kaution hinterlegt
haben. Diese Kapitaleinlage haben wir auch deshalb zur Bedingung gemacht,
dass es nicht wieder so endet wie unter Führung von Aleš Hušák, der de
facto alle wichtigen Informationen 16 Jahre lang geheim gehalten hat. Jetzt
aber erhalten sie alle Interessenten, die die Bedingungen erfüllen.“
Das Verfahren zum Verkauf von Sazka soll am 23. September abgeschlossen
werden. Frühestens dann wird man wissen, ob die älteste
Lotteriegesellschaft des Landes eine weitere Zukunft hat.







