Tagesecho Russland nominiert tschechischen Ex-Premier für die IWF-Spitze
Ein prestigereiches internationales Amt zu besetzen - eine solche Gelegenheit ergibt sich für ein kleines Land wie Tschechien nicht häufig. Nun hat Russland völlig überraschend den tschechischen Ex-Premier Josef Tosovsky zum Chef des Internationalen Währungsfonds nominiert - und die tschechische Regierung damit kräftig vor den Kopf gestoßen.
Dominique Strauss-Kahn (Foto: CTK)
Man glaube, dass Tosovsky der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen
Ort sei, hieß es zu der Nominierung aus dem russischen Finanzministerium.
Tatsächlich gilt der ehemalige Chef der tschechischen Nationalbank und
Übergangspremier des Jahres 1998 unbestritten als einer der fähigsten
Bankexperten nicht nur im ehemaligen Osteuropa. Derzeit leitet er das
Institut für Finanzstabilität der Bank für internationalen
Zahlungsausgleich in Basel. Dennoch, dass Tosovsky die Nominierung
Russlands angenommen hat, ist für die tschechische Regierung vor allem
eines: peinlich. Tschechien hat sich nämlich bereits auf den französischen
Ex-Minister Dominique Strauss-Kahn als neuen IWF-Chef festgelegt, so
Premier Mirek Topolanek:
"Es gab schon früher ein Übereinkommen, dass die Europäische Union und damit auch die Tschechische Republik die Kandidatur von Strauss-Kahn unterstützen wird, und wir halten es nicht für seriös, daran nun etwas zu ändern."
Josef Tosovsky (Foto: CTK)
Über Tosovkys Vorstoß ist die Regierung nun entsprechend verärgert.
Tosovsky habe seine Pläne mit niemandem aus dem Kabinett abgestimmt, hieß
es eilig aus Regierungskreisen. Und auch Finanzminister Miroslav Kalousek
stellte zur Sicherheit unmissverständlich klar:
"Herr Tosovsky ist nicht der Kandidat der Tschechischen Republik und hat bei seiner Kandidatur nicht die Unterstützung der tschechischen Regierung."
Der 56-Jährige Tosovsky sagte, er fühle sich durch den russischen Vorschlag geehrt. Trotz international überwiegend positiver Aufnahme der Kandidatur - Josef Tosovsky wird der nächste IWF-Chef voraussichtlich nicht heißen. Das meint jedenfalls der ehemalige tschechische Finanzminister Pavel Mertlik:
"Der Grund ist einfach: die Stimmen sind nach dem Anteil der
einzelnen Staaten an dem Stammkapital des Internationalen Währungsfonds
verteilt. Russland hält da einen Anteil von zwei oder drei Prozent, das ist
deutlich weniger als Deutschland mit knapp sechs Prozent, Frankreich mit
fünf Prozent oder die USA mit rund 16 Prozent. Wenn die Vereinigten Staaten
bei der Wahl die EU unterstützen, was in der Vergangenheit immer so war und
was wir auch diesmal voraussetzen können, wird es kein Problem sein, den
EU-Kandidaten durchzubringen."







