Russisches Dopingsystem: „Präzedenzlos im Sport“

Auch tschechische Experten reagierten auf die Entscheidung des IOC im Fall des russischen Dopingsystems.

Foto: ČTKFoto: ČTK Russlands Sportler dürfen wegen des Doping-Skandals nur unter neutraler Flagge an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang teilnehmen. Das hat die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees am Dienstag entschieden.

Das Internationale Olympische Komitee hat bislang 25 russische Sotschi-Teilnehmer auf Lebenszeit gesperrt. Zudem hat es Russland elf Medaillen, darunter vier goldene, aberkannt. Dies ist das jüngste Resultat der schier endlosen Doping-Causa. Nun wurde das Nationale Olympische Komitee Russland für die bevorstehenden Winterspiele gesperrt. In Südkorea dürfen ausschließlich unbelastete russische Sportler antreten, und das nur unter neutraler Flagge. Damit soll das staatlich organisierte Dopingsystem in Russland bestraft werden, das in Sotschi seinen Höhepunkt erreichte. Jiří Kejval ist Vorsitzender des Tschechischen Olympischen Komitees.

Jiří Kejval (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Jiří Kejval (Foto: Jan Bartoněk, Archiv des Tschechischen Rundfunks) „Ich halte diese Entscheidung für die beste von allen schlechten Entscheidungen. Athleten, die nachweisbar nicht gedopt haben, haben so weiterhin die Chance, an den Winterspielen teilzunehmen.“

Es handelt sich somit um keinen kompletten Ausschluss der russischen Sportler, den vorher mehrere tschechische Athleten gefordert haben. Jiří Kejval:

„Das wäre eine der Möglichkeiten gewesen. Das vom Staat geleitete Doping-System wurde vor vier Jahren aufgedeckt. In der Gegenwart gibt es bestimmt auch Sportler, die nicht in das System verwickelt waren. Ich persönlich halte die Entscheidung des IOC für richtig.“

Der Leiter des tschechischen Anti-Doping-Ausschusses, Jan Chlumský, hat vom Internationalen Olympischen Komitee keine resolute Lösung erwartet. Seinen Worten zufolge stand das Komitee unter Druck der russischen Seite. Der Dopingskandal wirke sich enorm auf den Sport aus.

Jan Chlumský (Foto: Tschechisches Fernsehen)Jan Chlumský (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Der sportliche Geist wurde durch das systematische russische Doping so stark verletzt, dass wir uns in einer präzedenzlosen Situation befinden. Vergleichbar ist dies mit der Dopingaffäre des Radprofis Lance Armstrong oder mit dem Doping in den früheren sozialistischen Ländern: in der Sowjetunion, in der DDR sowie in der Tschechoslowakei. Dieser Betrug spielte sich aber auf der höchsten Ebene ab und war sehr gut durchdacht.“

Derselben Meinung ist Jaroslav Nekola von der Karlsuniversität. Er leitete früher das tschechische Antidoping-Komitee.

„Das, was in Russland passiert ist, ist wirklich einzigartig. Dort deckt die Staatsmacht das Doping. In der Vergangenheit gab es Spekulationen über das Doping in China und in anderen autoritären Regimen, das wurde jedoch nicht nachgewiesen.“