Rückkehr des Jägers: Wolfssichtung in Nordböhmen

Wolf (Foto: ČTK)

Es waren immer nur Indizien, die auf die Rückkehr eines Raubtiers hinwiesen. Nun aber existiert ein Beweis: der Wolf ist zurück in Böhmen. In der Nähe von Česká Lípa / Böhmisch Leipa konnten Umweltschützer mittels einer Fotofalle eine Aufnahme des scheuen Jägers machen.

Wolf  (Foto: ČTK)
Bislang hatten die Umweltschützer und Nationalparkverwalter in Nordböhmen immer nur Spuren gefunden, die auf einen Wolf hinwiesen: ein paar Federn, die von seiner Beute übrig geblieben waren, oder Abdrücke im Waldboden. Im Landschaftsschutzpark Kokořínsko bei Doksy / Hirschberg wollte man es aber genau wissen, sagt Ladislav Pořízek. Er ist der Leiter des Parks:

„Wir hatten Informationen erhalten über heulende Wölfe. Daraufhin haben wir uns entschieden, mehrere Fotofallen zu installieren. Und zu unserer Überraschung konnte eine Falle am 29. März eine Aufnahme von einem Wolf machen, und zwar in der Nähe des Břehyně-Sees.“

Foto: Daniel Beránek,  CC 3.0
Das Bild ist erstaunlich gut, man sieht ein erwachsenes Tier mit bräunlichem Fell. Die Umweltschützer gehen davon aus, dass der Wolf höchstwahrscheinlich aus der Lausitz seinen Weg nach Böhmen gefunden habe. Hierzulande gelten die Tieren seit dem Ende des 19. Jahrhunderts als ausgestorben. Der Chef des Landschaftsschutzparks freut sich über die Rückkehr des Raubtiers:

„Er ist ein Jäger von Tieren, die sich übermäßig vermehren, weil sie keine natürlichen Feinde mehr haben. Dazu gehören zum Beispiel das Schwarz- oder Damwild.“

Foto: Štěpánka Budková
Für die Experten war die Sichtung eines Wolfes in Nordböhmen nur eine Frage der Zeit, denn die Bedingungen dort sind ideal: große Waldflächen und geringe Besiedlung. Auch in den Beskiden, nahe der slowakischen Grenze, wurden bereits Wölfe gesichtet. Es waren aber eher Ausnahmen, denn dort gibt es zahlreiche zivilisatorische Hindernisse wie zum Beispiel stark befahrene Schnellstraßen und Bahntrassen. Außerdem wurden die Tiere von Wilderern gejagt, denn die Schafszüchter beschwerten sich über große Verluste, die angeblich durch das geschützte Raubtier verursacht wurden. František Pelc leitet die tschechische Natur- und Landschaftsschutzagentur. Er versucht zu erklären, warum die Menschen so panisch auf den Wolf reagieren:



František Pelc  (Foto: Petr Vilgus,  Wikimedia CC BY-SA 3.0)
„Die relativ hohe Rivalität zwischen Mensch und Wolf ist darauf zurückzuführen, dass der Mensch das Raubtier als Konkurrent bei der Zucht von Nutztieren empfindet.“

Eine urmenschliche Angst um Ressourcen also, die der Wolf dem Menschen früher streitig machte.

Die Umweltschützer wollen nun durch die Auswertung von weiteren Fotofallen klären, ob es sich bei dem fotografierten Wolf um einen Einzelgänger handelt. Möglich sei aber auch, dass sich ein erstes Rudel in Nordböhmen angesiedelt habe, sagt Pořízek.

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