Tagesecho Roman Polanski beendet in Prag die Dreharbeiten zu Oliver Twist
Die Barrandov-Filmstudios in Prag seien die besten, in denen er jemals gedreht habe: Das sagt kein Geringerer als der Hollywood-Regisseur Roman Polanski. Im Jahr 2003 wurde der 70-Jährige für seinen Film "Der Pianist" mit dem Oskar für die beste Regie ausgezeichnet. In Prag hat Polanski jetzt die Produktion seines neuesten Films "Oliver Twist" abgeschlossen. Am Set gab der Star-Regisseur eine Pressekonferenz. Anne Lemhöfer war dabei.
Die Hauptrolle verkörpert Barney Clark.
An seinem Hosenbein klebt Matsch. Roman Polanski empfängt den
Journalistenpulk mitten im viktorianischen London. Dort ist allein die
Hauptstraße namens "King`s Street" mit Kopfsteinen gepflastert.
In den engen Seitengassen, die "Fetter Street" und "Puddle
Lane" heißen, sammelt sich Regenwasser in knöcheltiefen Pfützen.
"High Quality Umbrellas" steht in geschwungenen dunkelgrünen
Buchstaben über der Ladentür im Erdgeschoss eines vierstöckigen Hauses aus
rostrotem Backstein. Regenschirme sucht man dahinter freilich vergebens.
Von hinten besteht das Gebäudeensemble mit 75 Kopien von Häusern aus dem
19. Jahrhundert aus nackten Holzbrettern. Wer einmal herumläuft, lässt das
historische London hinter sich und genießt einen Panoramablick über das
Prag des 21. Jahrhunderts.
In den Barrandov-Studios hoch auf den Hügeln über dem Stadtteil Smichov im Prager Südwesten hat der Hollywood-Regisseur und Oscar-Preisträger Roman Polanski die Kulissen für seine Verfilmung des Romanklassikers "Oliver Twist" errichten lassen. Von den Produktionsbedingungen in Prag ist Polanski hellauf begeistert.
Roman Polanski und Barney Clark
"Ich habe in praktisch allen Filmstudios auf der ganzen Welt
gearbeitet und muss sagen, dass das hier das Beste ist. Prag ist eine sehr
europäische Stadt, in der man angenehm leben kann. Und was den Matsch
angeht - der ist sehr malerisch."
97 Drehtage lang arbeitete der 1933 in Paris geborene Regisseur in Tschechien. Nach vier Monaten fiel jetzt die letzte Klappe der 45 Millionen Euro teuren Filmproduktion.
Wie der englische Schriftsteller Charles Dickens in seinem Roman aus dem Jahr 1838 erzählt Roman Polanski im Film die Geschichte des Waisenjungen Oliver Twist. Oliver wächst in einem Armenhaus auf. Als er eines Tages um eine größere Essensportion bittet, verkauft ihn der Leiter des Armenhauses an einen Totengräber. Oliver Twist flieht nach London. Dort gerät das Kind in die Fänge einer Diebesbande, wird von gutmütigen Menschen aufgenommen - doch die kriminelle Gang bleibt ihm auf den Fersen. Die Hauptrolle verkörpert der elfjährige Engländer Barney Clark. Sir Ben Kingsley spielt den habgierigen Dieb Fagin.
Die Hauptrolle verkörpert Barney Clark.
"Oliver Twist" gilt als eines der bisher umfangreichsten
Projekte der Barrandov-Geschichte. Für die größte Szene hat Polanski über
800 Darsteller beschäftigt. Zunächst habe er überlegt, die
Mammut-Produktion in einem Filmstudio in Rumänien zu realisieren,
berichtet der Filmemacher. Trotz der höheren Kosten gab Roman Polanski im
letzten Moment Prag den Zuschlag.
"Rumänien ist natürlich viel billiger als Tschechien. Wir haben jedoch rumänische Studios besucht und festgestellt, dass der Standard dort längst nicht so hoch ist wie in Barrandov, was die Ausstattung der Gebäude und die Ausbildung der Techniker angeht. Alle Arbeiter hier sind sehr erfahren und extrem kompetent."
Ende 2005 soll "Oliver Twist" in die Kinos kommen.






