Tagesecho Riesenskulpturen beleben Prager Stadtzentrum
In Prag wird bereits seit längerem darüber diskutiert, ob sich der öffentliche Raum nicht stärker durch Kunst beleben lässt. Kleinkunst sieht man schließlich nur selten auf den Straßen der Stadt, stattdessen dominiert der Kommerz. Gelegentlich gibt es aber auch im Prager öffentlichen Raum Kunstprojekte, die das Straßenbild aufbessern. Im Sommer verwandelte sich zum Beispiel das Zentrum der Stadt im Rahmen eines Straßentheaterfestivals in eine Theaterbühne. Nun werden im historischen Stadtkern im Herbst einige Skulpturen installiert sein.
Čestmír Suška: Tischtuch
Der Altstädter Ring und seine Umgebung verwandeln sich in einen
Ausstellungsraum unter freiem Himmel. Ab Donnerstag, den 22. September,
stößt man dort einen Monat lang nicht nur auf die bekannten und in allen
Reiseführern beschriebenen Denkmäler wie die Teynkirche, die Aposteluhr
oder die Hus-Statue, sondern auch auf bis zu sieben Meter große
Skulpturen. Drei tschechische und ein holländischer Bildhauer werden dort
ihre Werke zeigen. Einer von ihnen, Čestmír Suška, sprach gegenüber
dem
Tschechischen Rundfunk von seinem Unmut darüber, wie der öffentliche
Raum
in Prag genutzt wird:
Čestmír Suška (Foto: 2media)
„Ich bin damit nicht besonders zufrieden, was auch der Grund war,
die
Ausstellung auf dem Altstädter Ring zu machen. Dieser Platz ist herrlich.
Ich verstehe, dass dort manchmal Märkte stattfinden. Aber nicht in dem
Maße, wie dies derzeit geschieht, und nicht so kommerziell. Aus dem Ort
wird eine Art Disneyland gemacht. Ich hoffe, dass unsere Ausstellung die
Prager und die Prag-Besucher darauf aufmerksam macht, dass man den Platz
auch auf stärker kultivierte Weise nutzen kann.“
Altstädter Ring - die Zahlen bezeichnen die Position der Skulpturen
Ein Problem sei, dass das Leben im öffentlichen Raum von Leuten
organisiert wird, die davon nicht viel verstehen. Es entstehe ein
Mischmasch, wobei der Kommerz die wichtigste Rolle spiele, findet Suška.
Prag könne mit seinem hervorragenden Erbe nicht umgehen, fügt er hinzu
und nennt Wien, Berlin oder Hamburg als Vorbilder in Europa.
Bei der aktuellen Ausstellung präsentiert sich das Bildhauerstudio Bubec, das von Čestmír Suška und seinen Kollegen im Jahr 2000 gegründet wurde. In einer Lagerhalle am Rande Prags organisiert das Studio verschiedene Kulturaktivitäten, wobei nicht nur Bildhauer, sondern Künstler aller Art dort ihre Projekte realisieren können. Man wollte nun die Tätigkeit des Studios auch im Zentrum Prags präsentieren. Fünf Riesenskulpturen werden direkt auf dem Altstädter Ring ausgestellt, eine auf dem anliegenden Franz-Kafka-Platz.
Floris Brasser: Doppelsitz
„Ich stelle drei Skulpturen aus dem Zyklus ´Verrostete Blüten´
aus,
wobei es sich um riesige Wasserbehälter handelt“, sagt Čestmír
Suška
und ergänzt, dass man sie auf der Straße kaum übersehen kann. Sein
holländischer Kollege Floris Brasser installiert zum Beispiel eine
Riesentreppe. Man kann sie hochsteigen und oben auf einem Doppelsessel
Platz nehmen. Der junge tschechische Bildhauer Martin Pertl wollte
ursprünglich eine Skulpturengruppe mit dem Namen „Ökumenischer
Spielplatz“ ausstellen. Die Schaukel in Form eines Kreuzes und das
Karussell in Form eines jüdischen Sterns haben jedoch die erforderliche
Erlaubnis der Kirchenbehörden für die Ausstellung im öffentlichen Raum
nicht erhalten, so dass er sich mit anderen Werken präsentieren muss.
Die Ausstellung findet aber nicht nur im Freien statt. Kleinere Werke von mehreren Künstlern aus dem Umkreis des Studios Bubec werden im romanischen Keller des Altstädter Rathauses gezeigt.








