Tagesecho Regierung zieht erste Bilanz zur Einführung der Praxisgebühren

12-09-2008 16:45 | Patrick Gschwend

Zu Beginn dieses Jahres sind in Tschechien Arztpraxisgebühren eingeführt worden. Gesundheitsminister Tomáš Julínek stellte gestern auf einer Pressekonferenz eine Bilanz des ersten Halbjahres vor. Patrick Gschwend berichtet.

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Gesundheitsminister Tomáš JulínekGesundheitsminister Tomáš Julínek Gesundheitsminister Tomáš Julínek zeigte sich zufrieden. Die gewünschten Steuerungseffekte seien eingetreten, die man sich durch die Einführung der Praxisgebühren erhofft hatte.

„Ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass die eingeführte Regulierungsmaßnahme erfolgreich war.“

Im ersten Halbjahr 2008 zahlten Tschechinnen und Tschechen demnach 2,6 Milliarden Kronen an Praxisgebühren. Das sind mehr als 100 Millionen Euro. Die Zahl der Arztbesuche ging gegenüber dem ersten Halbjahr 2007 um mehr als ein Drittel zurück. Vor allem die Zahl überflüssiger Arztbesuche sei gesunken, wie der Vizepräsident des Verbandes der tschechischen Krankenkassen, Vladimir Kothera, erläuterte.

„Am größten waren die Auswirkungen natürlich beim ärztlichen Bereitschaftsdienst. Genau dort haben wir das auch erwartet. Vor Einführung der Gebühren wurden die Notdienste in 50 Prozent der Fälle unnötig aufgesucht.“

Die Krankenkassen sparten dadurch etwa 3,4 Milliarden Kronen, rund 140 Millionen Euro, ein. Laut Gesundheitsminister Julínek könnten diese Gelder somit nun unter anderem zur Heilung schwerer Erkrankungen verwendet werden, wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder Krebs. Diese Behandlungen sind sehr kostspielig. Jiří Rod, der Sprecher der Allgemeinen Krankenkasse der Tschechischen Republik, VZP, bestätigte das.

„Schon seit Jahresbeginn erhöhen wir die Ausgaben für besonders aufwändige Behandlungen. Dabei geht es um hohe Summen - in der Größenordnung von einigen hundert Millionen Kronen.“

Dank dieser Gelder würde es zum Beispiel möglich, 130 Prozent mehr Frauen zu heilen, die an Brustkrebs leiden.

David Rath, bis September 2006 selber Gesundheitsminister der früheren sozialdemokratischen Regierung, sieht hierin allerdings keinen Zusammenhang mit der Einführung der Praxisgebühren. Rath behauptet die Krankenkassen hätten schon vorher volle Konten gehabt.

„Für sämtliche Behandlungen hatten sie genügend Geld. Ich muss daher die Frage stellen, warum sie bisher nichts ausgezahlt haben.“

Die Opposition, das heißt die Sozialdemokraten und die Kommunisten, lehnt die Praxisgebühren komplett ab.

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