Tagesecho Regierung will Haushalt über Rentenreform und Einsparungen konsolidieren
Premier Petr Nečas und Finanzminister Miroslav Kalousek wollen am harten Sparkurs unbedingt festhalten. Das wurde am Dienstag erneut bestätigt. In der Kabinettssitzung legte Kalousek den Haushaltsentwurf für das Jahr 2013 und eine mittelfristige Strategie zu den öffentlichen Finanzen auf den Tisch. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere die Renten das Staatsbudget zunehmend belasten.
Die tschechische Regierung hat bei ihrer Sitzung am Dienstag den
Haushaltsentwurf von Finanzminister Kalousek für das kommende Jahr und
für zwei weitere Jahre gebilligt. Im kommenden Jahr soll das
Haushaltsdefizit dabei nicht mehr als umgerechnet vier Milliarden Euro
betragen. Damit würde das Kabinett erstmals seit Beginn der
Legislaturperiode im Jahr 2010 eines seiner vorrangigsten Ziele erfüllen:
die Senkung des Defizits auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Ein Wert, mit dem Tschechien endlich auch die Maastricht-Kriterien
erfüllen würde. Dennoch macht dem Kabinett ein Ausgabeposten immer mehr
zu schaffen: die Zahlung der Renten. Zur Verdeutlichung: 2008 war das
vorerst letzte Jahr, in dem die Altersbezüge durch die entsprechenden
Sozialabgaben der Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausreichend gedeckt waren.
Seit 2009 aber muss sich der Staat Geld leihen, um den Rentnern ihre
Bezüge auch auszahlen zu können. In diesem Jahr schlagen die Zahlungen
bereits mit einem Defizit von umgerechnet zwei Milliarden Euro zu Buche, im
nächsten Jahr soll es schon bei zirka 2,4 Milliarden Euro liegen. Dies
würde bedeuten, dass die Renten schon mehr als die Hälfte des Defizits im
Staatshaushalt ausmachen. Zudem steigt die Zahl der Pensionäre jährlich
an. Eine Entwicklung, der man entgegen wirken müsse, so Arbeits- und
Sozialminister Jaromír Drábek:
Jaromír Drábek
„In den letzten drei Jahren ist es Realität geworden, dass die
Einnahmen aus der Rentenversicherung niedriger sind als die vom Staat
ausgezahlten Renten. Und daran wird sich in den nächsten Jahren auch so
schnell nichts ändern. Diese Entwicklung wird sehr stark durch die
gegenwärtige ökonomische Stagnation beeinflusst, und auch hier ist in den
nächsten zwei, drei Jahren keine rasante Änderung zu erwarten. Deshalb
mussten wir zu einer sehr unpopulären, aber notwendigen Maßnahme greifen:
zu einer geringeren Anpassung der Renten. Einen anderen Weg aber gibt es
nicht.“
Aus diesem Grund will die Regierung die Rentenreform sobald als möglich
umsetzen. Ein Bestandteil dieser Reform ist dabei die Bildung eines
privaten Rentenfonds. Eine Art Zusatzrente also, für die die Arbeitnehmer
letztlich auch drei Prozent ihres Bruttoeinkommens abführen sollen. Das
seien 10 bis 20 Milliarden Kronen jährlich, die dann dem Haushalt fehlen
würden, kritisiert die Opposition. Drábek aber verteidigt diesen Schritt:
„Das ist unsere Verantwortung gegenüber der heutigen jungen Generation. Denn in diesem Teil der Rentenreform liegen wir gegenüber anderen europäischen Ländern um 10 bis 15 Jahre zurück. Und aufgrund der demografischen Entwicklung wäre es in den nächsten 30 bis 40 Jahren unmöglich, für die heutige junge Generation ohne diese Maßnahme eine angemessene Rente zu sichern.“
Jiří Drahoš
Neben der Rentenreform will die Regierung das Haushaltsdefizit vor allem
durch weitere Einsparungen stabilisieren. Davon betroffen ist auch der
Sektor Wissenschaft und Forschung, obwohl gerade dieser von der Regierung
explizit gefördert werden soll. Leidtragender soll aber lediglich die
Akademie der Wissenschaften sein, die sich auch im kommenden Jahr mit einem
staatlichen Zuschuss von etwas über einer Milliarde Euro begnügen muss.
Zu wenig, um international mithalten zu können, kritisiert dann auch ihr
Direktor Jiří Drahoš. Finanzminister Kalousek hat im Gegenzug aber
bereits versprochen:
„Wir sind uns dessen bewusst, dass wir natürlich noch weitere Verhandlungen führen müssen. Und wir sind uns auch bewusst, dass diese Zahlen noch keine endgültigen sind.“






