Tagesecho Regierung geht im Kampf gegen Korruption in die Offensive
Die Übergangsregierung von Premier Fischer versteht sich nicht nur als unpolitischer Interimsverwalter. Was zum Beispiel das Dauerthema Korruption betrifft, so geht die Regierung nun die Offensive. Am Montag hat Innenminister Martin Pecina entsprechende Gesetzesentwürfe vorgelegt, denen seine Ministerkollegen mehrheitlich zugestimmt haben.
Innenminister Martin Pecina (Foto: ČTK)
„Die Korruption und die Finanzkriminalität sind zwei sehr
gefährliche
Krankheiten unserer Gesellschaft“, sagte Minister Pecina, als er
nach der
Regierungssitzung vor die Presse trat. Hinter der Korruption stünden das
organisierte Verbrechen und die gefährliche Wirtschaftskriminalität, die
ihrerseits wiederum einen direkten Einfluss auf die Vergeudung von
öffentlichen Finanzmitteln hätten, erklärte Pecina. Als Antwort darauf
sehen seine Gesetzesnovellen unter anderem den Einsatz von Lockspitzeln
und
die Einführung einer Kronzeugenregelung vor. Das sei nicht neu, denn:
„Diese Praxis funktioniert in mehreren europäischen Ländern wie Polen,
der Slowakei oder Deutschland“, so Pecina.
David Ondráčka
Das stellt auch der Direktor des tschechischen Büros von Transparency
International, David Ondráčka, nicht in Abrede, auch wenn er die
Legitimierung von Lockspitzeln für problematisch hält. Andererseits
erklärte Ondráčka:
„Jede Maßnahme gegen die Korruption ist bei uns in Tschechien schon ein kleines Wunder. Wir sollten also froh darüber sein, eine Regierung zu haben, die sich dessen bewusst ist, dass man gegen die Korruption etwas tun muss.“
Das sieht der ehemalige Innenminister der vorherigen Topolánek-Regierung,
Ivan Langer, hingegen anders:
„Den Kampf gegen die Korruption kann man nicht nur mit einfachen
gesetzlichen Maßnahmen betreiben. Wenn wir effektiv gegen die Korruption
vorgehen wollen, dann müssen wir zunächst den Spielraum des Staates bei
der Vergabe von öffentlichen Geldern einschränken. Denn dort, wo bei uns
der Staat entscheidet, besteht auch stets das Risiko der Korruption. Und
was das betrifft, sind die von der Regierung vorgelegten
Anti-Korruptionsmaßnahmen leider unvollständig, denn sie zielen nur auf
die Strafverfolgung ab.“
Die Sozialdemokraten wiederum begrüßen die Regierungsinitiative, sehen
für ihre mögliche Umsetzung aber ein anderes Problem. Dazu der
Abgeordnete Jeroným Tejc:
„Ich habe die Befürchtung, dass der größte Stein des Anstoßes
bei
diesem Gesetzentwurf die knappe Zeit sein wird, die der Regierung bis zu
den Wahlen bleibt.“
Wie auch immer: Mit ihrer Entscheidung hat die Regierung erneut klar
gemacht, dass sie ihren Aussagen, die Korruption zu bekämpfen, auch Taten
folgen lässt. Und für Gesprächsstoff bis zu den Wahlen im Frühjahr ist
allemal gesorgt.








