Tagesecho Radio Prag und seine Sendetechnik: In 70 Jahren von Podebrady bis Krasnodar

31-08-2006 17:34 | Lothar Martin

70 Jahre Radio Prag, das heißt auch 70 Jahre technische Entwicklung, verschiedene Rundfunkhäuser, Sendemasten und anderes technisches Zubehör. Einer, der ganz genau weiß, wie die Ausstrahlung der Sendungen eigentlich technisch abgesichert wird, ist der weltweit anerkannte Kurzwellen-Experte sowie Gründervater und Vorsitzende der internationalen High Frequency Coordination Conference (HFCC), Oldrich Cip.

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Oldrich CipOldrich Cip Während einer im Rahmen der Festveranstaltung zum Jubiläum durchgeführten Exkursion nach Podebrady konnte man daher auch durch ihn erfahren, wie es überhaupt zur Entstehung der Radiokommunikation hierzulande gekommen ist:

"Die Tschechoslowakei ist 1918 als ein ganz neuer Staat entstanden, und die Kriegserfahrungen haben gezeigt, dass die drahtlose Telegraphie und überhaupt die drahtlose Kommunikation enorm wichtig für die Verbindung mit der übrigen Welt ist. Und daher hat sich die Regierung der neuen Tschechoslowakei schnell entschlossen, ein System der Radiokommunikation zu errichten, und dessen Hauptglied war gerade das Sendezentrum hier in Podebrady."

Ja, das erste Rundfunkhaus stand also im 50 km östlich von Prag liegenden Podebrady, wo man noch heute das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Gebäude besichtigen kann. Und Oldrich Cip wusste ebenso zu bestätigen, dass das Programm von Radio Prag auch tatsächlich erstmals vor genau 70 Jahren ausgestrahlt wurde:

"Radio Prag ist verhältnismäßig spät in die Annalen des Senders Podebrady eingetreten, erst mehr als zehn Jahre nach Aufnahme des Telegraphie-Betriebs, und zwar im 1936. Ein Rundfunk-Sender ist hier im Jahre 1935 installiert worden, und der regelmäßige Betrieb wurde genau um 10 Uhr vormittags Ortszeit am 31. August 1936 aufgenommen."

Transmitter in PodebradyTransmitter in Podebrady Nach dem geglückten Start wurde Radio Prag ununterbrochen bis zum 15. März 1939, dem Tag der nazistischen Okkupation durch Hitlerdeutschland, ausgestrahlt. Nach dem Krieg wurde der Rundfunksender nach und nach mit immer besseren und stärkeren Sendemasten ausgestattet, die zunächst im slowakischen Velky Kostolany stationiert waren und heute noch im ostböhmischen Litomysl anzutreffen sind. Aber das Kurzwellenprogramm von Radio Prag wird überdies auch noch aus einem weit entfernten Ort übertragen:

"Die deutschen Sendungen kommen aus Krasnodar", erklärt uns Oldrich Cip mit dem Zusatz, dass auch die Luftströmungen und die allgemeine Wetterlage eine Rolle in der Empfangbarkeit spielen.

Na dann, bleibt uns nur zu wünschen, dass ihr Empfang auf Kurzwelle auch heute, zu Zeiten von Satellit und Internet, weiterhin ein guter ist.

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