Protest in Stein und Bronze: zum Tod von Olbram Zoubek

Der Bildhauer Olbram Zoubek ist tot. Einer der wichtigsten Gegenwartskünstler Tschechiens ist am Donnerstag im Alter von 91 Jahren in Prag gestorben. Bekannt geworden ist er vor allem durch die Totenmaske Jan Palachs und das Prager Denkmal für die Opfer des Kommunismus. Strahinja Bucan mit einem Nachruf.

Olbram Zoubek (Foto: ČTK)Olbram Zoubek (Foto: ČTK) „Das Malen hat mir in der Schule nie Spaß gemacht, und ich hatte da auch keine guten Noten. Dann kam aber ein Kunstlehrer zu uns an die Grundschule, der mich in einem Wahlkurs in die Kunst des Modellierens eingeführt hat. Schon nach der zweiten Stunde war für mich klar, dass ich in meinem Leben diesen Weg beschreiten will.“

So hat der Bildhauer Olbram Zoubek im Tschechischen Rundfunk den Beginn seiner Künstlerkarriere beschrieben. Geboren wurde Zoubek 1926 in Prag und verbrachte dort auch seine Kindheit und Jugend. Nach Abschluss des Gymnasiums bewarb er sich erfolglos an der Prager Kunstakademie und begann sein Studium schließlich an der Hochschule für angewandte Kunst. Dort lernte er seine Kollegin Eva Kmentová kennen, die seine erste Frau wurde. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, eine weitere Tochter bekam Zoubek mit seiner zweiten Frau Marie Edelmanová Mitte der 1980er Jahre. Hauptberuflich wurde Zoubek zum Restaurator, was ihm auch in schweren Zeiten ein Auskommen sicherte.

Totenmaske von Jan Palach (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Totenmaske von Jan Palach (Foto: Khalil Baalbaki, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Der größte Bruch im Leben des Künstlers war die Niederschlagung des Prager Frühlings im Sommer 1968. Besonders aber ein Jahr später die Selbstverbrennung des Studenten Jan Palach aus Protest gegen die Besatzung der Tschechoslowakei durch die Truppen des Warschauer Paktes:

„Aufgewachsen bin ich in der Ersten tschechoslowakischen Republik, ich habe die deutsche Okkupation, eine kurze Zeit der Freiheit und dann die russische Besatzung überlebt. Dann kam Jan Palach – er war ein Wunder, ein Funke in all dem stinkenden Schlamm jener Zeit. Als ich erfahren habe, dass er gestorben ist, konnte ich das für mich nicht so stehen lassen, ich musste etwas tun. Und ich wollte ihm einen Dienst erweisen, den kaum jemand so konnte wie ich.“

In diesen Jahren entstand die Totenmaske von Jan Palach. Jene Plastik, die heute an der Philosophischen Fakultät der Prager Karlsuniversität an den Tod des Studenten erinnert. Damals war das aber noch undenkbar, denn die kommunistische Staatsführung revanchierte sich für diesen künstlerischen Protest:

„Ich habe mit einer scharfen Reaktion gerechnet, lebensbedrohlich war das für mich jedoch nicht. Ich konnte zwar nicht reisen, meine Werke verkaufen oder Aufträge annehmen, aber ich durfte weiter restaurieren. Damit hatte ich wenigstens noch mein Auskommen.“

Denkmal für die Opfer des Kommunismus (Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Denkmal für die Opfer des Kommunismus (Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) Dennoch wurde Olbram Zoubek nach Ende des Kommunismus im Jahr 1989 einer der sichtbarsten Ankläger des Systems. Er entwarf nun ein Denkmal für Jan Palach vor dem Prager Nationalmuseum und später das Denkmal für die Opfer des Kommunismus am Fuß des Petřín-Hügels. Seine Plastiken sind vom Werk des schweizerischen Bildhauers Alberto Giacometti beeinflusst und zeichnen sich durch eine elegante Schlankheit und typische Streckungen aus. Zoubeks Figuren nehmen ausdrucksvolle Gesten und Haltungen ein, teilweise scheinen sie sich aber auch aufzulösen und im Nichts zu verschwinden.

Olbram Zoubek wurde so zu einem der wichtigsten tschechischen Bildhauer der Gegenwart. Höhepunkt seiner Karriere war 2013 eine große Retrospektiv-Ausstellung in Prag, bei der rund 300 seiner Werke gezeigt wurden. Derzeit sind die Werke des Bildhauers unter anderem beim Sculpture-Line-Festival in Prag und Plzeň / Pilsen zu sehen, sowie in einer Ausstellung im westböhmischen Klatovy / Klattau.