Tagesecho Premiere des Zentralabiturs ist vorbei
Die Vorbereitungen für das Zentralabitur dauerten 14 Jahre und haben umgerechnet insgesamt 28 Millionen Euro gekostet – etwa zwanzigmal mehr als die Einführung eines ähnlichen Prüfungssystems in der Slowakei. Während der gesamten Vorbereitung wurde die zentrale Reifeprüfung heftig kritisiert. Die Fragen würden die Wissensfelder nicht ausreichend abdecken, der bürokratische Aufwand sei zu groß, hieß es. Am Dienstag ist für fast 100 000 Schüler in Tschechien die Premiere vorbei. Bis zum 20. Juni müssen sie nun auf die Zeugnisse warten.
Die Abiturprüfungen wurden zum Teil wie bisher, also von Lehrern der
jeweiligen Schule vorbereitet. Neu aber ist: Es gibt auch einen landesweit
einheitlichen Teil, der vom Bildungsministerium ausgearbeitet wurde. Dieser
zentrale Teil soll einen gewissen Standard im Abitur und ein höheres
Niveau der Mittelschulausbildung garantieren. Wie es scheint, ist dies bei
Fremdsprachen gelungen, und zwar dank der Tatsache, dass man international
verwendete Tests übernommen hat. Die Englisch-Professorin eines Prager
Gymnasiums, Helena Šilhánková:
Foto: Arnošt Máče, Tschechischer Rundfunk
„Ich finde die staatliche Prüfung sinnvoller als die, die bisher
abgelegt wurde. Hauptsächlich weil sie mehrere Teile hat und die
Kenntnisse der gesamten Sprache prüft. Die Schüler haben einen Essay
verfasst, weiter wurden Leseverständnis, Hörverständnis, Wortschatz und
Grammatik geprüft. Und auch im mündlichen Teil ging es viel mehr um die
Sprache als um vorbereitete und als Monolog vorgetragene Themen, wie sie
die Schüler früher gebüffelt haben.“
Gymnasium Na Vítězné pláni
Die Rede ist hier von der schwierigeren Stufe des Tests. Das tschechische
Zentralabitur hat nämlich eine Besonderheit: Die Schüler können sich
selbst entscheiden, ob sie die einfachere oder die schwierigere Variante
der Prüfung ablegen. Ziel ist, dass in Zukunft nur noch das
Abitur-Ergebnis als Aufnahmekriterium an einer Hochschule reichen soll, und
keine Aufnahmeprüfungen mehr abgelegt werden müssen. In diesem Jahr hat
man es allerdings noch nicht geschafft, diesen Aufnahmemechanismus an den
Universitäten in Kraft zu setzen. Die überwiegende Mehrheit der Schüler
im Lande hat sich deshalb für die einfacheren Tests entschieden. Nicht so
am Gymnasium Na Vítězné pláni in Prag. Die Mehrheit dort hat die
schwere Prüfung abgelegt. Helena Šilhánková:
„In Bezug auf die Fremdsprachen war die einfachere Variante für viele
unserer Schüler wirklich sehr primitiv. Sie haben das bei einer
Generalprobe im Herbst festgestellt und waren sich sicher, dass sie auch
das höhere Niveau schaffen.“
Umstritten ist das Niveau der Prüfung in der Muttersprache, also in Tschechisch. Sogar Schüler der letzten Grundschulklasse haben diese problemlos abgelegt:
„Es ging hauptsächlich um die Logik, nur ein paar Fragen betrafen die Rechtschreibung.“
Josef Dobeš (Foto: ČTK)
„Meiner Meinung nach war es einfacher als die Aufnahmeprüfung für das
Gymnasium.“
Bildungsminister Josef Dobeš zeigt sich von diesem Ergebnis nicht überrascht:
„Das ist die Tragödie der tschechischen Mittelschulen. Und es ist ein weiteres Argument dafür, dass das Zentralabitur notwendig ist. Man muss in Betracht ziehen, dass 11 Prozent der Schüler zum Abitur überhaupt nicht zugelassen wurden, und 20 Prozent dieses Examen nach unseren Schätzungen nicht gemeistert haben. Die Absurdität besteht darin, dass das Niveau nicht übertrieben hoch ist, und ich trotzdem einem gewissen Druck ausgesetzt wurde, es noch weiter zu senken. Das ist aber nicht möglich.“
Minister Dobeš plant bereits Änderungen für die nächsten Jahre. Unter
anderem will er die Ansprüche erhöhen und ein Pflichtabitur in Mathematik
einführen. Für die Zukunft sind auch Online-Prüfungen vorgesehen.







