Preisstürze und mehr Lohn? Nationalbank beendet Deviseninterventionen

Eine Überraschung war es nicht, dennoch ging es nach der Nachricht turbulent zu an den Finanzmärkten. Die Tschechische Nationalbank hat am Donnerstag den Kurs der Krone freigegeben. Für die Tschechen könnte das nun einige Änderungen bringen.

Foto: Vojtěch Rejl, ČT24Foto: Vojtěch Rejl, ČT24 Vielleicht die schlechte Nachricht zuerst: Beim nächsten Tschechien-Urlaub müssen Besucher wahrscheinlich etwas tiefer in die Tasche greifen. Denn am Donnerstag verkündete der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank, Jiří Rusnok, die langerwartete Nachricht:

„Eine Fortsetzung der bisherigen Wechselkurspolitik ist für die zentrale Aufgabe der Nationalbank, nämlich für Preisstabilität zu sorgen, nicht mehr von Bedeutung.“

Die Nationalbank beendet damit nach über drei Jahren ihre Deviseninterventionen. Diese sollten den Kurs der tschechischen Krone gegenüber dem Euro künstlich schwach halten, (unter anderem) vor allem um den Export anzukurbeln. Der Preis von 27 Kronen für einen Euro machte tschechische Produkte im Ausland nämlich billiger. Das ist laut Rusnok gut gelungen: Die Wirtschaft brummte, nun drohte sie aber zu überhitzen. Nach der Freigabe am Donnerstag reagierten die Märkte prompt, und der Kurs der tschechischen Währung fiel schnell auf unter 27 Kronen je Euro. Er könnte sich in den kommenden Wochen bis Monaten voraussichtlich auf stabile 25 Kronen je Euro einpendeln.

Andrej Babiš (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)Andrej Babiš (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks) Tschechische Politiker haben den Schritt der Nationalbank im Allgemeinen begrüßt. So auch Finanzminister Andrej Babiš (Partei Ano):

„Ich denke, dass der Schritt der Nationalbank positiv für die Wirtschaft sein wird. Die Deviseninterventionen sind nicht mehr notwendig. Die Nationalbank hatte sich zum Ziel gesetzt, die Deflation zu bekämpfen, was ihr auch gelungen ist. Jetzt bleibt es abzuwarten, wie sich der Kronen-Kurs stabilisiert. Große Auswirkungen auf die Wirtschaft wird es nicht geben, die Firmen waren ja vorbereitet.“

Die Sozialdemokraten sehen im Ende der Interventionen eine Chance für die tschechische Wirtschaft, stärker zu werden, betonte unter anderem Außenminister Lubomír Zaorálek. Und auch in der Opposition begrüßt man den Schritt der Nationalbank. Niedrige Löhne könnten nun ein Ende haben, so Vojtěch Filip von den Kommunisten. Ebenso glücklich zeigte sich das Staatsoberhaupt: Die Tschechen könnten nun wieder stolz sein auf ihre starke Währung, so Miloš Zeman. Man müsse sich im Ausland beim Umtausch jetzt nicht mehr schämen, befand der Präsident.

Illustrationsfoto: The Nick Page via Foter.com / CC BYIllustrationsfoto: The Nick Page via Foter.com / CC BY Freuen wird eine starke Krone vor allem auch die tschechischen Verbraucher. So zum Beispiel die Prager Rentnerin Karin:

„Ich freue mich sehr, vor allem weil ich begeisterte Urlauberin bin und oft nach Übersee fliege. Das dürfte nun wahrscheinlich billiger werden. Zumindest aber spare ich beim Kauf von Euro.“

Ab der kommenden Wintersaison erwarten die Reiseveranstalter in Tschechien Preisstürze von sieben bis zehn Prozent durch die teurere Krone. Diesen Sommer bleiben die Preise jedoch noch gleich, die Verträge der Anbieter sind bereits fix.

Auch für Benzin und Importprodukte im Einzelhandel dürften die Tschechen in absehbarer Zeit weniger zahlen. Doch zu hohe Freudensprünge sollte man nicht machen, wenn es nach Jan Řezáč geht. Er ist Sprecher von Mall.cz, einem der größten Online-Shops in Tschechien. Vor allem bei der Elektronik sei kein Preiswahnsinn zu erwarten, so Řezáč:

Foto: Pavel Šaman, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Pavel Šaman, Archiv des Tschechischen Rundfunks „Elektronik wird vorwiegend in Dollar gehandelt, und zwar in Ländern außerhalb der Eurozone. Deshalb hat die neue Kurspolitik da keinen großen Einfluss. Der Euro spielt vor allem bei alltäglichen Verbrauchsprodukten eine Rolle, wie zum Beispiel bei Drogerieartikeln und Tiernahrung. Doch auch da sind keine größeren Preisstürze zu erwarten.“