Tagesecho Pragmatische Beziehungen: Russischer Präsident Putin kommt nach Prag
Der russische Präsident Vladimir Putin trifft am Mittwoch zu einem zweitägigen offiziellen Staatsbesuch in Prag ein. Thomas Kirschner wirft aus diesem Anlass einen Blick auf den Stand der tschechisch-russischen Beziehungen.
Alexej Fedotov, russischer Botschafter in Prag
Putins Visite ist der erste Besuch eines russischen Staatschefs in
Tschechien seit 13 Jahren - zuletzt hatte sich 1993 Putins Vorgänger Boris
Jelzin in Prag mit dem damaligen Präsidenten Vaclav Havel getroffen. Nach
dem Ende des Kalten Krieges und dem Auseinanderbrechen des Warschauer
Paktes mussten beide Länder damals ihre Position zueinander neu finden.
Der früheren ideologisch gefärbten Beziehungen spielen für Moskau heute
keine Rolle mehr, bestätigt im Vorfeld des Besuches der russische
Botschafter in Prag Alexej Fedotov:
"Die Russische Föderation betrachtet Tschechien heute in erster Linie aus einer ganz pragmatischen Position heraus. Wir achten uns gegenseitig als Partner mit pragmatischen Interessen und diese gegenseitige Achtung ist das wichtigste Fundament der bilateralen Beziehungen und bezieht sich auf alle Bereiche."
Nichtsdestotrotz - die tschechisch-russischen Beziehungen waren in den letzten Jahrzehnten alles andere als einfach. Im Studio ist nun Asja Chekanova von der russischen Redaktion von Radio Prag.
Asja, wie wird Russland in Tschechien heute wahrgenommen?
Vladimir Putin (Foto: CTK)
"Ich glaube, viele Tschechen sind sich über ihr Verhältnis zu
Russland noch nicht im Klaren. Im letzten Jahrhundert haben die Russen
ziemlich unterschiedliche Rollen in der tschechischen Geschichte gespielt
- zuerst waren sie slawische Brüder, dann Befreier vom Faschismus, und
nach 1968 dann Okkupanten gegen die die Tschechen dann symbolisch im
Eishockey gekämpft haben. Vor dem Besuch Putins sind nun die russischen
Staatsschulden gegenüber Tschechien beglichen worden - aber das sind
materielle Schulden. Wann es Russland gelingen wird, seine moralischen
Schulden abzuzahlen, das ist aber eine schwierige Frage."
Jenseits aller historischen Belastungen ist Russland aber weiter eine wichtige Wirtschaftsmacht. Spielt das eine Rolle für Tschechien?
"Ja, und der heutige tschechischer Präsident Vaclav Klaus versteht das ganz gut - heutzutage ist Russland ein wertvoller Geschäftspartner für die Tschechische Republik. Voriges Jahr haben die Russen 500 Millionen US Dollar in den tschechischen Markt investiert. Hunderte tschechischer Firmen haben ihre Handelsvertretungen in Russland geöffnet. Außerdem darf man nicht vergessen, dass zirka 70 Prozent des tschechischen Verbrauchs an Erdöl und Erdgas von Russland gedeckt werden."
Dass der wirtschaftliche Austausch mit Russland im Mittelpunkt des Besuches stehen wird, das bestätigte im Vorfeld auch der tschechische Premier Jiri Paroubek. Nach der Gaskrise mit der Ukraine will Russland nicht zuletzt um Vertrauen für die Zuverlässigkeit seiner Gaslieferungen werben.






