Tagesecho Prager ZOO erlebte bei Jahrhunderthochwasser "seine Apokalypse"

16-08-2002 | Lothar Martin

Das verheerende Moldauhochwasser in Prag hat unermessliche Schäden an materiellen Werten hinterlassen. Über ihre Höhe, die sich von Tag zu Tag summiert, wird noch zu sprechen sein. Noch schwerwiegender aber wiegen die damit verbundenen persönlichen Schicksale, ganz besonders jene, die mit dem Leben bezahlt werden mussten. Und da haben sich besonders im Prager Zoo ganz tragische Ereignisse abgespielt, die selbst hartgesottenen Tierpflegern Tränen in die Augen fließen ließen. Lothar Martin hat Näheres dazu in Erfahrung bringen können, seinen Bericht liest Katrin Sliva.

Elefant Kadira (Foto: CTK)Elefant Kadira (Foto: CTK) Die Bilder vom im Wasser eingeschlossenen Elefantenbullen Kadira, der getötet wurde, um seinem aussichtslosen Überlebenskampf eine Ende zu bereiten, gingen via TV um die Welt. Sie belegten aber nur einen Bruchteil der Tragödie, die sich am Dienstag im Prager Tierpark ereignet hat. Zoodirektor Petr Fejk hat sie so beschrieben:

"Im Tierpark hat sich insofern unsere Apokalypse abgespielt. Der gesamte untere Bereich des Tiergartens steht unter Wasser. Fast überall sind nicht einmal mehr die Spitzen der überdachten Tiergehege zu sehen. Kurz: der gesamte untere Bereich des Parks ist völlig zerstört."

Angestellte des Zoogarten in Prag schauen die Schaden an (Foto: CTK)Angestellte des Zoogarten in Prag schauen die Schaden an (Foto: CTK) Als die Flut über das weiträumige Zoogelände hereingebrochen ist, da hatten die knapp 200 Beschäftigten der Einrichtung den Großteil der Evakuierung des Tierbestandes bereits vollzogen. Direktor Fejk über die gewaltige Anstrengung:

"Wir haben im Verlauf von drei Tagen, vor allem aber den ganzen Dienstag über, genau 1000 Tiere evakuiert: 750 Vögel, 100 Säugetiere und 150 Kriechtiere."

Aber leider konnten nicht alle Tiere gerettet werden. Den Wassermassen zum Opfer fielen rund 80 Vögel und neun Säugetiere, darunter neben dem Elefanten ein Flusspferdweibchen, ein Löwe, ein Bär und der Gorillamann Pong. War es nicht möglich, die Tiere eher zu evakuieren? Dazu Petr Fejk:

Evakuirung (Foto: CTK)Evakuirung (Foto: CTK) "Ich kann vollkommen glaubhaft versichern, wenn ich mit 24-stündigem Vorlauf gewusst hätte, dass sich ein Jahrhunderthochwasser nähert, dann hätten wir außer dem Elefanten, für dessen Transport wir mindestens drei Tage benötigen, alle Tiere gerettet."

Und zur Erklärung der entstandenen Situation schob der Direktor nach:

"Weil ich aber am Montagnachmittag die Information erhalten habe, dass ein Hochwasser wie vor 20 Jahren bzw. eines wie vor 50 Jahren im Anmarsch ist, bin ich genau nach dem für den letzteren Fall vorgesehenen Evakuierungsplan vorgegangen. In der Nacht von Montag zu Dienstag hat sich aber die Prognose in die eines Jahrhunderthochwassers verwandelt - und das war genau die Zeit, die uns fehlte für die Rettung dieser Tiere, und das war genau die Zeit, die im Zoo jene durchweg dramatische Situation hervorrief, wo Menschen die Tiere unter Einsatz ihres eigenen Lebens gerettet haben."

Die geretteten Tiere wurden im oberen Bereich der Anlage ausgesetzt oder aber zur einstweiligen Betreuung in andere tschechische Tierparks abtransportiert. Wann und ob überhaupt, sie in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren werden, das steht derzeit noch in den Sternen.

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