Tagesecho Prager Zentrum: Eine Kulisse für Touristen

23-11-2006 15:11 | Andreas Wiedemann

Die Innenstädte der großen Städte werden von Geschäften, Banken, Büros und Touristen beherrscht. Immer mehr Menschen ziehen aus dem Stadtzentrum weg und wohnen in den Randbezirken oder Vororten. Dieser Trend ist in den großen Metropolen wie New York oder London seit Jahrzehnten bekannt und spürbar. Seit einigen Jahren setzt dieser Trend nun auch in der tschechischen Hauptstadt Prag ein.

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Die Prager Innenstadt wird von Touristen und Firmen beherrscht. Die Abnahme der Bewohner aus diesem Teil der Stadt erreicht allmählich die kritische Grenze. So lautet das Fazit, dass einige Soziologen und Stadtentwickler über die Entwicklung des Prager Zentrums auf einer Konferenz gezogen haben, die in dieser Woche in Prag stattgefunden hat. Das Leben im historischen Zentrum Prags ist teuer, die Menschen ziehen weg und übrig bleiben Büros, Banken und Touristen. Dadurch verliert die Prager Altstadt aber ihr lebendiges Gesicht, meint der Soziologe Jiri Musil:

"Wenn Sie sich z.B. einmal in der Altstadt umschauen: Wie viele normale Geschäfte mit Lebensmitteln gibt es da noch für den Rest der Menschen, die noch in der Altstadt leben? Sehr wenig", so Musil.

Immer mehr Menschen wohnen zwar nicht mehr in der Prager Innenstadt, aber arbeiten noch dort. Sie fahren jeden Tag zur Arbeit in die Stadt. Das bringt immer größere Verkehrsprobleme mit sich. In Prag 1 leben z.B. 30.000 Menschen, in den Büros und Geschäften des historischen Zentrums arbeiten aber wesentlich mehr. Der Stadtentwickler Miroslav Base drückt diese Entwicklung in Zahlen aus.

"Hier arbeiten ungefähr 240.000 Menschen. Wenn wir davon ausgehen, dass es in ganz Prag rund 600.000 - 660.000 Arbeitsmöglichkeiten gibt, dann arbeitet mehr als ein Drittel auf einer Fläche von nicht einmal zwei Prozent der Stadt."

Das Prager Stadtzentrum bleibt demnach ein wichtiger Geschäfts- und Arbeitsort auch für die Prager, die Funktion einer Wohnstätte nimmt aber offenbar immer weiter ab. Der Sozialgeograf Martin Hampl sieht die Entwicklung in Prag hingegen nicht so dramatisch und weißt darauf hin, dass dieser Prozess in den zentralen Bezirke Prags, Altstadt, Neustadt, Kleinseite, Hradschany, Visehrad Prag schon vor hundert Jahren eingesetzt hat:

Praha_Hampl_1: "Diese Teile hatten bereits im Jahr 1900 ihren Bevölkerungshöchststand erreicht. Er lag bei 70.000. Seitdem ist die Einwohnerzahl ständig gesunken. Heut leben dort etwa 50.000 oder etwas weniger. Ich glaube, sie können nichts daran ändern. und ich halte das im Falle von Prag auch nicht für so tragisch. Es wohnen immer noch 50.000 Menschen in der Innenstadt, das sind 6.000 Menschen pro Quadratkilometer, was immer noch eine gewaltige Dichte ist."

Hampl sagt, der Trend weiterer Abwanderungen lasse sich nicht aufhalten. Er befürchtet aber nicht, dass das Stadtzentrum in Prag sein Leben vollständig verlieren werde, da dort nicht nur die meisten geschäftlichen sondern auch gesellschaftlichen Aktivitäten stattfinden. Neben der Lösung des Verkehrsproblems müsste vor allem der infrastrukturelle Ausbau der Prager Vororte und der Satellitenstädte im Mittelpunkt stehen.

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