Prager Troup-Ausstellung: Begeisterung bis nach Deutschland

In Prag ist zum 100. Geburtstag des Malers Miloslav Troup eine Retrospektive zu sehen. Auch deutschen Kunstliebhabern ist sie aufgefallen.

Intensive Farben und gewagte Formen – das Werk von Miloslav Troup sticht hervor aus der tschechischen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Fünf Jahre Studium an Kunstschulen in Paris ab 1945 und die Begegnungen mit französischen Kollegen, darunter etwa Georges Braque, haben den Maler deutlich beeinflusst. Erstaunlich ist, dass dennoch Miloslav Troup relativ unbekannt geblieben ist. Nun kann man aber die Werke des Malers im Prager Gemeindehaus bewundern. Die große Retrospektive hat sein Neffe Zdeněk Troup organisiert:

„Mein Onkel Miloslav Troup ist 1917 geboren worden, jetzt in diesem Jahr wäre also sein 100. Geburtstag gewesen. Vor einigen Jahren haben wir einen Verein gegründet, um das Andenken an meinen Onkel zu bewahren. Zu unseren Aktivitäten gehört eine Reihe von Ausstellungen, die Ende vergangenen Jahres in Hořovice begann, dem Geburtsort von Miloslav Troup. Es ging weiter in Budweis sowie in der Nationalgalerie in Prag, wo seine Illustrationen zu sehen waren.“

Sein Onkel sei eben auch ein großartiger Illustrator gewesen, sagt Zdeněk Troup. 1966 zum Beispiel erhielt er den Unseco-Preis für die beste Buchillustration auf der Frankfurter Buchmesse.

Miloslav Troup – 100 let
Obecní dům (Gemeindehaus Prag)
Noch bis 15. September

Doch Miloslav Troups Liebe galt der Malerei. Seine Bilder sind von Fauvismus und Kubismus beeinflusst. Zu den Motiven aus seiner Pariser Zeit gehören zum Beispiel Menschen am Rande der Gesellschaft. 1949 kehrte er in die dann schon kommunistische Tschechoslowakei zurück, ab da tauchen erstaunlicherweise auch religiöse Themen in seinen Bildern auf – oder Motive aus Prag wie die Karlsbrücke oder der Veitsdom. Alles das ist nun auch zu sehen:

„Die größte Ausstellung ist jene derzeit im Prager Gemeindehaus. Sie ist als Retrospektive angelegt. Wir präsentieren dort mehr als 120 Bilder aus seiner freischaffenden Tätigkeit. Dazu kommen mehrere Dutzend Illustrationen“, so der Neffe des Künstlers.

Zdeněk Troup (Foto: Ondřej Tomšů)Zdeněk Troup (Foto: Ondřej Tomšů) Abgerundet wird die Retrospektive von Gobelins, die nach Miloslav Troups Vorlagen für die Alše-Galerie in Südböhmen geknüpft wurden. Zudem sind dort Beispiele seiner Fenstermalereien ausgestellt.

Die Werke des Künstlers sind bisher fast nicht im Ausland gezeigt worden. Doch mittlerweile seien Kunstliebhaber auch jenseits der Landesgrenzen auf seinen Onkel aufmerksam geworden, sagt Zdeněk Troup:

„Wir haben ein wunderbares Angebot aus Moskau. Aber am meisten Reaktionen erhalten wir aus Deutschland. Wahrscheinlich hat dazu ein wunderbarer Artikel von Tilman Speckelsen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beigetragen. Der Journalist schildert darin mit Begeisterung seinen Besuch in der Ausstellung im Prager Gemeindehaus. Seitdem erhalten wir täglich Mails, Telefonanrufe und Briefe. Menschen aus Hamburg, Nürnberg oder Regensburg suchen nach mehr Informationen. Sie fragen auch, wann es eine Ausstellung in Deutschland geben wird.“

Miloslav Troup – sakrální motivy
Křížová chodba Strahovského kláštera (Kreuzgang des Klosters Strahov)
Ab 10. November

Über eine solche Veranstaltung denke man nun ernsthaft nach, fügt Zdeněk Troup an. Doch zunächst läuft noch bis 15. September die Ausstellung im Prager Gemeindehaus. Und ab 9. November folgt eine weitere Schau in der tschechischen Hauptstadt, bei der die religiösen Motive Miloslav Troups im Mittelpunkt stehen werden.

Mehr über den Maler Miloslav Troup am Samstag in unserer Sendereihe Kultursalon