Prager Suchtzentrum: Hoffen auf das strikte Rauchverbot

In Tschechien sind ungefähr 2,2 Millionen Menschen nikotinabhängig. Rund 16.000 Patienten sterben jedes Jahr an Krankheiten, die mit der Nikotinsucht direkt zusammenhängen. Experten vom Zentrum für die Nikotinsüchtige von der Prager Uni-Klinik haben am Dienstag ihre jüngsten Ergebnisse vorgestellt.

Foto: pixabay.com, CC0 Public DomainFoto: pixabay.com, CC0 Public Domain Die neuesten Daten über das Rauchen in Tschechien wurden absichtlich diese Woche präsentiert. Im Dezember vergangenen Jahres hat das Abgeordnetenhaus ein umfassendes Rauchverbot verabschiedet. Kommende Woche soll der entsprechende Gesetzentwurf im Senat erörtert werden. Demnach würde ab Ende Mai nicht mehr erlaubt sein, in Restaurants zu rauchen. Die Debatte über das Rauchverbot hat sich hierzulande viele Jahre lang hingezogen. Dazu Jan Bříza, stellvertretender Direktor der Uni-Klinik am Prager Karlsplatz.

Jan Bříza (Foto: Archiv der Prager Uni-Klinik)Jan Bříza (Foto: Archiv der Prager Uni-Klinik) „Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Meinung der Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen. Denn die Nikotinabhängigkeit ist nicht nur ein Problem derjenigen, die selbst rauchen. Während der Diskussion über das Rauchverbot wurde immer gefragt, ob jemand das Recht habe zu rauchen. Aber nur selten wurde darüber diskutiert, ob der Nichtraucher das Recht auf saubere Luft habe. Wenn es gelingen würde, die Haltung der Menschen zum Rauchen zu ändern, wäre dies wunderbar.“

An der Uni-Klinik wurde 2005 ein Zentrum für Nikotinabhängige eingerichtet. Entstanden ist es in Zusammenarbeit mit einem derartigen Zentrum an der Mayo Clinic im US-amerikanischen Rochester. Die Medizin-Professorin Eva Králíková leitet das Prager Zentrum.

Eva Králíková (Foto: Martina Schneibergová)Eva Králíková (Foto: Martina Schneibergová) „Im Verlauf von zwölf Jahren haben wir fast 6000 Patienten behandelt. Der erste Besuch eines Patienten im Zentrum dauert etwa eine Stunde lang. Der zweite dauert zwei Stunden lang. Die Behandlung nimmt verhältnismäßig viel Zeit in Anspruch. Während dieser Zeit suchen wir mit dem Patienten nach Nichtraucherlösungen in Situationen, in denen er geraucht hat. Ich möchte betonen, dass die Nikotinsucht eine Krankheit ist. In unserem Zentrum schulen wir Ärzte und Krankenschwestern von 36 weiteren solchen Zentren, die in den größeren Krankenhäusern in Tschechien eingerichtet wurden. Aus den Ergebnissen der Zentren geht hervor, dass 44 Prozent der Patienten ein Jahr nach der Behandlung nicht mehr geraucht haben.“

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio PragFoto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag Viele der Raucher begründen ihre Sucht oft damit, sie müssten in bestimmten Momenten rauchen, sonst wären sie nervös. Sie halten die Zigarette für eine Art Beruhigungsmittel. Im Prager Zentrum für Nikotinabhängige arbeitet auch Lenka Štěpánková. Die Ärztin hat Ende des vergangenen Jahres eine Studie veröffentlicht, und zwar in der internationalen Fachzeitschrift „Annuals of Behavioral Medicine“. Dabei konzentrierte sich Štěpánková auf Menschen mit Depressionen. Sie verglich die Symptome vor und nach der Behandlung der Nikotinsucht.

„Paradox ist, dass die Ergebnisse der Studie dem allgemeinen Bewusstsein und der kurzfristigen Erfahrung der Raucher widersprechen. In der Studie wurden die Erfahrungen von rund 4000 Patienten ausgewertet. Die Raucher sagen beispielsweise, dass sie schlechtere Laune hätten, wenn sie nicht rauchen würden. Dies kann zu Beginn der Behandlung auch tatsächlich der Fall sein. Doch handelt sich dabei nicht um die Symptome der Depression, sondern um Symptome der Nikotinabstinenz. Wenn wir diese Symptome mit Medikamenten und mit Psychotherapie behandeln, verschwinden sie. Wichtig ist jedoch, dass die Symptome der Depression deutlich geringer werden bei jenen, die zu rauchen aufhören.“