Tagesecho Prager Metro: Bau der Trasse D nach Verfahrensfehler ins Stocken geraten
Sie ist das große ABC des öffentlichen Nahverkehrs in der tschechischen Hauptstadt und wegen ihrer Schnelligkeit sehr beliebt – die Prager Metro. Der Ausbau ihres Streckennetzes aber verläuft eher zähflüssig. Insbesondere der Bau der neuen Linie D liegt noch in den Sternen. Auch deshalb, weil die Prager Verkehrsbetriebe teilweise gravierende Fehler machen. Lothar Martin berichtet.
Um den Auftrag der Verkehrsbetriebe zur Projektierung der Metrolinie D
haben sich drei Firmen beworben. Das Unternehmen Mott MacDonald Praha bot
dabei den niedrigsten Preis, doch gerade deshalb wurde es vom weiteren
Auswahlverfahren suspendiert. Ein klarer Wettbewerbsverstoß, monierte das
Kartellamt. Der Vorsitzende der Behörde, Petr Rafaj, erklärte dazu:
„Die Verkehrsbetriebe haben beim Ausschluss des Unternehmens einige gesetzliche Bedingungen missachtet. Aufgrund dieses Fehlers haben wir entschieden, dass die Firma Mott MacDonald Praha wieder als Bewerber zur Ausschreibung zugelassen wird.“
Der Fehler des Auftraggebers war, den preisgünstigsten Bewerber ohne
Angabe von Gründen ausgemustert zu haben. Während die Firmen Metroprojekt
und Sudop den Auftrag für 490 bzw. 470 Millionen Kronen realisieren
wollten, lag Mott MacDonald Praha mit 390 Millionen Kronen klar darunter.
Ein Angebot, das dem Auftrageber spanisch vorgekommen sei, warb der
Sprecher der Verkehrsbetriebe, Ondřej Pečený, um Verständnis:
„Auf der Grundlage der vorgelegten Materialien konnten wir nicht erkennen, auf welche Weise der Auftrag finanziert werden sollte. Daraufhin haben wir den Bewerber vom Wettbewerb ausgeschlossen.“
Jiří Petrák (Foto: www.mottmac.com)
Eine Entscheidung, die der Chef der Firma Mott MacDonald Praha, Jiří
Petrák, überhaupt nicht nachvollziehen konnte:
„Der Ausschluss ist für uns nicht akzeptabel, denn wir haben einen Preis geboten, den wir sehr sorgfältig geprüft haben. Und wir sind auch überzeugt davon, den Auftrag zu diesem Preis durchführen zu können.“
Gegen das Urteil des Kartellamtes werden die Prager Verkehrsbetriebe nicht in Berufung gehen. Die Ausschreibung zur Vergabe des Projektierungsauftrages aber wurde damit wieder an ihren Anfang zurückgeworfen. Ein unnötiger Zeitverlust also für den Bau einer Strecke, die einmal die neuen Wohngebiete im Südosten der Hauptstadt mit dem Prager Stadtzentrum verbinden soll. Der erste Abschnitt der Linie D soll den Planungen zufolge im Jahr 2016 in Betrieb gehen. Bis heute steht allerdings immer noch nicht fest, woher man das Geld für die bis zu 1,4 Milliarden Euro teure Strecke nehmen soll.








